TIK 2017: Die Megatrends der B2B-Kommunikation

4 responses Lesezeit:

„B2B-Marketing der Zukunft – Digitale Transformation“ war das Thema beim TAG DER INDUSTRIEKOMMUNIKATION 2017 in Fürstenfeldbruck. Rund 200 B2B-Marketingentscheider erfuhren beim fünfjährigen Jubiläum des großen Branchenevents des bvik wie die Digitalisierung die B2B-Branche verändert, welche Themen in Zukunft wichtig werden und welche Trends Marketer auf keinen Fall verpassen dürfen.

Mehr zum Thema im Video:

Zum fünfjährigen Jubiläum des TAG DER INDUSTRIEKOMMUNIKATION waren rund 200 B2B-Marketingentscheider in den Süden der Republik gereist, um bei der Leuchtturmveranstaltung des Bundesverband Industrie Kommunikation e.V. (bvik) dabei zu sein. Unter dem Motto „B2B-Marketing der Zukunft – Digitale Transformation“ erlebten die Anwesenden im veranstaltungsforum fürstenfeld in Fürstenfeldbruck (bei München) hochkarätige Speaker aus Wissenschaft und Industrie. Der Ort der Veranstaltung hat für den Verband eine ganz besondere Bedeutung: Dort fand vor über sieben Jahren die erste Sitzung zur Gründung des bvik statt.

bvik: Plattform für Austausch, Wissensvermittlung und Dialog
Die 650 Mitglieder des bvik sind auf der einen Seite Industrieunternehmen, die Produkte oder industrielle Dienstleistungen für andere Unternehmen herstellen oder erbringen, und zum anderen Dienstleister aus der Kommunikationswirtschaft mit erkennbarer B2B-Ausrichtung, die der Industrie beim Vermarktungsprozess über alle Gewerke hinweg zur Seite stehen.

In seiner Begrüßungsrede beschrieb Kai Halter, Vorstandsvorsitzender des bvik und Marketingleiter bei ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG, den großen Mehrwert dieses B2B-Kongresses: „Der TAG DER INDUSTRIEKOMMUNIKATION ist inzwischen ein etablierter Treffpunkt für die B2B-Branche. Er lebt einerseits von den hochklassigen Vorträgen, die uns Marketern viele neue Anregungen geben, um auf zukünftige Entwicklungen vorbereitet zu sein. Andererseits steht bei dieser Veranstaltung das Networking im Fokus. Der Austausch und Dialog mit Kollegen ist sehr gewinnbringend.“

Deutschland auf dem Weg zum starken Player der digitalen Wirtschaft?

Direkt zum Auftakt sensibilisierte Prof. Dr. Tobias Kollmann, Experte für E-Business und E-Entrepreneurship, in seiner Keynote „Deutschland 4.0 – Wie die Digitale Transformation gelingen kann“ die Teilnehmer für die Herausforderungen des digitalen Wandels. Dabei analysierte er die Rahmenbedingungen dieses Veränderungsprozesses, beleuchtete die aktuellen Entwicklungen und gab Hinweise auf die notwendigen Änderungen für die Zukunft. Er machte deutlich, dass es im Hinblick auf die digitale Transformation hierzulande noch viel Handlungsbedarf gibt: „Unternehmen für die reale Wirtschaft als Weltmarktführer von heute sind in und für Deutschland vorhanden, aber die Unternehmen für die digitale Wirtschaft als Weltmarktführer von morgen fehlen!“ Seiner Ansicht nach verfügt Deutschland zwar über unzählige Weltmarktführer in den klassischen Wirtschaftsbranchen, bisher aber über keinen digitalen Champion. Deshalb sei es die Aufgabe aller, Deutschland als führende Industrienation auch in der digitalen Wirtschaft – gerade im B2B-Bereich – zu einem starken Player zu machen. Sein Tenor ist klar und deutlich: „Wer als erstes ein Kundenbedürfnis oder -problem digital erkennt, der kann auch als erstes ein digitales oder reales Angebot machen. Wir müssen das digitale Zeitalter aktiv gestalten und gemeinsam das Deutschland 4.0 für unsere digitale Zukunft bauen.“

2018 live dabei sein
Der nächste TAG DER INDUSTRIEKOMMUNIKATION findet am 21. Juni 2018 statt. Hier per Mail beim bvik unverbindlich vorreservieren (Interessenten werden informiert, wenn die Anmeldung zur Veranstaltung möglich ist).

Digitale Transformation erfordert Strategiearbeit

Der anschließende Impulsvortrag „Digitale Transformation verstehen und angehen“ von Prof. Dr. Andrea Back, Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Direktorin des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen gab den Marketern einen praxisnahen Einblick in das „Digital Maturity Model“, das zur Standortbestimmung von Unternehmen in der digitalen Transformation dient. „Innovationen werden immer digitaler, deshalb bilden sich neue Formen des Innovationsmanagements heraus“, erklärte Back und wies dabei darauf hin, dass viele Unternehmen für den radikalen Veränderungsprozess bislang weder bereit, noch entsprechend strukturiert sind: „Digitale Transformation erfordert sehr anspruchsvolle Strategiearbeit für das digitale Zeitalter. Besonders schwierig ist es, ein Unternehmen, dem die disruptive Innovation bevorsteht, organisatorisch so aufzustellen, dass neben den noch lebendigen, tragenden Geschäftsbereichen rechtzeitig das Neue groß werden kann, mit dem man sich ja selbst kannibalisiert.“

Groß Träumen, mittelfristig planen und kurzfristig umsetzen

Welch große Bedeutung Big Data bei der digitalen Transformation spielen erläuterte Eva Maria Bieda, Principal Change Manager, Roche Pharmaceuticals, in ihrem Praxis-Case „Big data versus useful data“. „Daten sind das Rückgrat jeder digitalen Transformation, sowohl interne wie auch externe Daten. Die Kombination verschiedener Daten-Töpfe erlaubt neue, bessere und tiefere Einblicke in Kundenbedürfnisse und -Verhalten, aber auch in die eigenen Prozesse und deren Verbesserungspotenziale“, so Bieda, die mehr als 25 Jahre Erfahrung in verschiedenen Kommunikations- und Marketingpositionen bei international agierenden Firmen hat. Voraussetzung hierfür sei, dass alle Systeme und Personen im Unternehmen, die Daten sammeln und pflegen, in diesen Veränderungsprozess eingebunden sind und eine angemessene Weitsicht vorherrscht. „Es darf nicht sein, dass ein Projekt bei der Fertigstellung nicht mehr den aktuellen Anforderungen genügt“, warnt sie. Um die digitale Transformation erfolgreich für das eigene Unternehmen zu nutzen, gibt es viele Dinge zu beachten: „Man muss sich fragen, was ist das Ziel dieser Digitalisierung, welche Ressourcen muss ich einsetzen, welche Zeitschiene visiere ich an und passt die Veränderung überhaupt zur Firmenkultur. Außerdem ist es notwendig, den Return on Investment klar zu definieren.“ Am Ende ihres Vortrags gab sie den anwesenden Marketingentscheidern einen Tipp für ihre digitalen Projekte: „Träumen Sie groß, planen Sie mittelfristig, setzen Sie kurzfristig um!“

Technik muss dem Menschen dienen

Die Nachmitags-Session startete dann direkt mit einem echten Highlight. Christoph Burkhardt, Wirtschaftspsychologe und Experte für Innovation & Kreativität, der im Silicon Valley lebt, als Partner des Beratungsunternehmens Plot Inc. Innovationsstrategien zu Unternehmen weltweit bringt, begeisterte das Publikum mit seiner Keynote „Innovation Megatrends. Disruptive Technologien, neue Märkte, globales Chaos und was all das für Sie bedeutet“. Er machte deutlich, welch große Auswirkungen der digitale Veränderungsprozess haben wird: „Wir stehen an der Schwelle zu einem massiven Paradigmenwechsel. Dieser kann Unternehmen entweder ins Abseits stellen oder ihnen die Chance bieten, sich neu zu erfinden.“ Er wies darauf hin, dass Geschäftsmodelle durch die digitale Transformation zunehmend komplexer und spezifischer werden und deshalb vor allem Vertrauen und Anpassungsfähigkeit notwendig sind, um diesem Veränderungsprozess überhaupt gewachsen zu sein. „Nicht die Ideen, die am stärksten sind, sondern die, die sich am besten anpassen, werden am Ende erfolgreich sein“, machte Burkhardt deutlich, worauf es ankommt.

In Zukunft sei es unerlässlich, dass Unternehmen sich selbst hinterfragen, die eigenen Regeln brechen und enger zusammenarbeiten, da nur gemeinsam etwas geschaffen werden kann. „Nichts entsteht nur aus einem Unternehmen und wir müssen auch nicht immer etwas neues kreieren. Es geht einzig und alleine darum, gemeinsam etwas zu (er)schaffen, von dem am Ende jeder profitiert“, erklärte Burkhardt und erwähnte dabei, dass diese Form des „Wissens-Austauschs und Zusammenarbeit“ auch bei den großen Playern im Silicon Valley praktiziert wird. Am Ende des Tages gehe es seiner Meinung nur um eines – back to human! „Alles, was wir machen, muss dem Menschen dienen. Deshalb muss auch die Technik dem Menschen dienen und nicht der Mensch der Technik!“

Digitalstrategie als Teil der Unternehmensstrategie

Wie man die digitale Transformation durch eine gute Zusammenarbeit innerhalb eines Unternehmens meistert, und eine erfolgreiche Digitalstrategie entwickelt, erfuhren die Marketingprofis von Thomas Ochs, CIO der Villeroy & Boch AG. „Eine tragfähige und klar formulierte digitale Unternehmensstrategie ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der digitalen Transformation“, so sein Credo. Ochs zeigte in seinem Praxis-Case, wie es seinem Unternehmen gelungen ist, die Geschäftsprozesse von ursprünglich länderspezifisch organisierten IT-Abteilungen hin zu einer global und durchgängig agierenden Unternehmens-IT zu vereinheitlichen. Voraussetzung hierfür war, dass das Unternehmen bereit für Veränderungen war: „Digitalisierung bedeutet eine disruptive Veränderung im Unternehmen. Die Auswirkungen sind dabei erheblich. Sie verändert das Unternehmen in Hinsicht auf die Wertschöpfungs- und Supportprozesse, die Kommunikation und Zusammenarbeit.“ Laut Ochs ist es unerlässlich, die Digitalstrategie als Teil der Unternehmensstrategie zu betrachten. Hierbei sei es wichtig, die Unternehmensvision, Ziele, Chancen und die damit verbundenen Tätigkeiten festzulegen: „Eine Präzisierung ist notwendig, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, Risiken aktiv zu managen und die wirtschaftlichen Vorteile für das Unternehmen zu maximieren.“

FC Bayern München – Erfolg rund um den Globus

Einen interessanten Blick über den Tellerrand des B2B-Bereichs hinaus lieferte Benjamin Steen, Head of digital projects and CRM der FC Bayern München AG. Dieser erläuterte, wie es dem amtierenden Deutschen Fußballmeister gelingt, seine riesige Zahl an Fans weltweit rund um die Uhr mit News und werthaltigem Content zu bedienen und die Digitalisierung zur internationalen Fanbindung zu nutzen. Dabei streut der deutsche Rekordmeister über unzählige Kanäle den ganzen Tag über Informationen rund um das Geschehen an der Säbener Straße. Steen machte deutlich, dass es dem FC Bayern bei seiner Ausrichtung enorm wichtig ist, ein Verein zum Anfassen zu sein, der trotz seiner Größe und der Erfolge eine Fannähe zulässt.

Nach viel Input nutzen die rund 200 Marketingprofis die Kaffeepause, um die Vorträge noch einmal Revue passieren zu lassen und sich mit Branchenkollegen auszutauschen, ehe der letzte Teil des Tagungsprogramms auf dem Plan stand.

Aus stumpfen Standardtätigkeiten ausbrechen und voneinander lernen

Diesen eröffnete Trendexpertin Birgit Gebhardt mit Ihrer Keynote „New Work Order – die neue Logik der intelligenten Kommunikation“. Dabei stellte sie vor, wie sich die digitale Transformation auf die Unternehmenskommunikation auswirkt und wie die Industriekommunikation den Mehrwert der Digitalisierung nutzen kann. Für sie ist die Vernetzung ein wesentlicher Aspekt der digitalen Transformation, deshalb ermunterte sie die Teilnehmer dazu, aus stumpfen Standardtätigkeiten auszubrechen. „Es ist wichtig, sich wieder auf humane Fähigkeiten, wie das Lernen voneinander, die kreative Ideenfindung, das empathische Kundenverständnis sowie die intuitive Interaktion und Teamgeist bei der Arbeit zu konzentrieren“, so ihre Forderung. Als Folge davon werden klassischen Kompetenzen von Kommunikation und Marketing auch in andere Abteilungen driften, die sich stärker vernetzen – sowohl nach innen als auch nach außen.

Den Abschluss des sehr interessanten Vortragsprogramms bildete der Schauspieler, Speaker und Autor Johannes Warth, der mit seinem sehr unterhaltsamen und dennoch tiefgründigen Vortrag „Mut tut gut oder wie überlebe ich im 21. Jahrhundert?“ das Publikum nicht nur zum Staunen, Lachen und „standing ovations“ brachte, sondern dabei auch klare Botschaften vermittelte und zum Nachdenken anregte.

 

Die NACHT DER INDUSTRIEKOMMUNIKATION
 powered by Evalanche

Im Anschluss an das Tagesprogramm lud der bvik alle Teilnehmer zur NACHT DER INDUSTRIEKOMMUNIKATION powered by Evalanche ein. Bei herrlichem Wetter und einem sommerlichen BBQ im bezaubernden Innenhof des ehemaligen Zisterzienserklostersmit ergab sich viel Zeit für Gespräche und den Austausch unter Branchenkollegen.

Außerdem wurde von Premium-Partner Lighthouse ein Zeppelin-Rundflug über den Bodensee verlost. Musikalisch umrahmt wurde der Networking-Abend von ONEWOMAN Entertainment – Djane Ingrid Häfner, die mit Ihrer Musik für eine stimmungsvolle Atmosphäre und einen tollen Ausklang eines Tags ganz im Zeichen der Industriekommunikation sorgte.

 

2018 live dabei sein
Der nächste TAG DER INDUSTRIEKOMMUNIKATION findet am 21. Juni 2018 statt. Hier per Mail beim bvik unverbindlich vorreservieren (Interessenten werden informiert, wenn die Anmeldung zur Veranstaltung möglich ist).

4 Antworten zu “TIK 2017: Die Megatrends der B2B-Kommunikation”

Kommentar verfassen