„Sri Lanka geht in die richtige Richtung“

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Im DDW-Ferngespräch: Dirk Kubitschek. Der Ravensburger Hotelmanager lebt und arbeitet seit drei Jahren in Sri Lanka.

 

Herr Kubitschek, wie lebt es sich in Sri Lanka?

Fantastisch. Es ist eine wahre Freude hier zu leben und an der Kultur, dem täglichen Leben und natürlich auch den kulinarischen Köstlichkeiten teil zu nehmen. Das Land bietet so vieles: Strände mit grossartigen Surfmöglichkeiten, National Pärke, Kultur und nicht zuletzt tolle Menschen die einem täglich mit einem Lächeln begegnen.

Mit unseren Relais&Chateaux Hotels Tea Trails und Cape Weligama , unserem Projekt in Yala welches im März 2017 öffnet und den geplanten Projekten in Sigiriya und Colombo habe ich täglich mit einer Vielzahl von Einheimischen zu tun, und es ist eine große Freude und Ehre mit diesen zusammen  zu arbeiten und so in der Luxus Hotellerie neue Maßstäbe in Sri Lanka zu setzen.

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Wie kommt man mit deutscher Mentalität in dem Land klar – und wie wird man als Deutscher wahrgenommen?

Ich denke, ich habe in den vielen Jahren in den unterschiedlichsten Ländern gelernt, meine Ansprüche in Punkto Genauigkeit etwas anzupassen. Das gesagte Wort und der versprochene Zeitraum bei Projekten ist ein unglaublich dehnbarer Begriff in Sri Lanka, das Endprodukt überzeugt dann jedoch sehr oft mit ausgezeichneter Qualität.

Sri Lanka hat eine unglaubliche Nähe zu Europa. Allen Europäern wird sehr offen entgegengetreten, ist sich das Land doch seiner Vergangenheit bewusst. Englisch ist weiterverbreitet und wird auf hohem Niveau gesprochen, daher ist es einfach mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich habe mich selten so sicher gefühlt wie in diesem Land. Als Deutscher wird man, wie in den meisten Ländern dieser Erde, sehr freundlich empfangen, geht uns doch ein sehr guter Ruf voraus.

 

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Was sind die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes?

Sri Lanka hat sich in den letzten Jahren sehr auf ausländische Investoren eingestellt. Die neue Regierung viele Investitionsanreize geschaffen. Durch die starke Orientierung zu westlichen Staaten entstehen neue Arbeitsplätze und die Einkommensverhältnisse verbessern sich stetig. „Economic Diplomacy “ ist das Credo der neuen Regierung. Das ist auch wichtig, denn Sri Lanka ist dringend auf Steuereinnahmen angewiesen, da die Staatsverschuldung durch verschiede Großprojekte der Vorgängerregierung 2015 auf 76 Prozent angewachsen ist.

Insgesamt geht es in die richtige Richtung: Die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen haben sich deutlich verbessert, Investitionsanreize, motivierte Arbeitskräfte mit einer hohen Alphabetisierungsrate und die moderne Infrastruktur lassen Sri Lanka in einem guten Licht erscheinen. Jugendarbeitslosigkeit ist immer noch ein Problem, doch hier kann besonders meine Branche, der Tourismus, entgegenwirken: Ein Zuwachs von 12,8 Przent alleine bei deutschen Reisenden im Vergleich zum Vorjahr spricht hier eine sehr deutliche Sprache, und es wird weiteres Wachstum erwartet.

 

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Worauf muß man sich einstellen, wenn man in oder mit Sri Lanka Geschäfte machen will?

Das kleine Sri-Lanka ist leider sehr abhängig von der weltweiten Wirtschaftsentwicklung und die Instabilität der Regierung macht dem Land immer noch zu schaffen. Überbordende Bürokratie und Korruption sind immer wieder Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg. Im Vergleich mit den direkten Nachbarn oder anderen asiatischen Ländern ist Sri Lanka sehr fortschrittlich . Interessenverbände setzen sich erfolgreich für faire Arbeitsbedingungen und gegen Kinderarbeit ein. Sehr gute Möglichkeiten bieten der Tourismus und der Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Auch Textilien und Lederwaren sind erfolgreiche Exportartikel, doch die Arbeitsbedingungen sind sehr schlecht und die Löhne niedrig.

Grundsätzlich gilt in Sri Lanka, daß man sich seine Geschäftspartner sehr sorgfältig aussuchen sollte. Oftmals sind viele Esseneinladungen nötig, bevor über das eigentliche Geschäft gesprochen werden kann. Das “Good Gut Feel” ist wichtiger Bestandteil jedes Geschäftes.

 

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Was sollte man als privater-Ceylon-Reisender unbedingt sehen und erleben?

Am spannendsten sind sicher die Menschen selbst, ein Besuch auf einem der vielen lokalen Märkte ist daher ein Muß. Darüber hinaus bietet das kleine Land eine bunte Mischung aus Kultur, Natur und vielen anderen Sehenswürdigkeiten. Meine persönlichen Highlights sind eine Safari im Yala National Park mit seinen Leoparden, Elefanten und anderen Wildtieren, das koloniale Flair in Kandy im Zentrum von Sri Lanka, die „Ceylon“ Teegärten – Tea Trails und zum Abschluss ein Strandurlaub nach Mirissa oder Weligama, um die erlebten Erfahrungen entspannt sacken zu lassen.

Sri Lanka zu erleben hat viel damit zu tun, einen Gang zurück zu schalten, sich treiben zu lassen, eine Zugfahrt zu unternehmen und den lokalen Köstlichkeiten zu frönen, die am Straßenrand angeboten werden. Sri Lanka zu erleben, heißt Lächeln zu schenken und zu erhalten und den stolzen Erzählungen der Menschen zu lauschen. Sri Lanka heißt auch, sich ein wenig anzupassen und nicht mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, sollte einmal etwas nicht so gelingen wie es sollte. Sri Lanka erleben, bedeutet sich selbst nicht so ernst zu nehmen, denn die Menschen werden alles tun, um Sie glücklich zu machen.

pictures courtesy of: resplendent ceylon

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