iStock_000013818666_XXXLarge

Deutschland muss von der Landstraße auf die Digitale Autobahn

Keine Kommentare Lesezeit:

Die Digitalisierung ist längst zum globalen Wachstumstreiber Nummer Eins geworden. Hierzulande war Digitalisierung bislang vor allem ein Thema für Großunternehmen. Dabei bieten sich gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen gewaltige Chancen, genauso wie für die Gesellschaft insgesamt. Was also muss passieren, damit Deutschland ein digitales Wirtschaftswunder erlebt?

Bei der digitalen Transformation liegen wir weit hinter unseren globalen Wettbewerbern zurück. So werden die innovativen Geschäftsmodelle, die ganze Branchen auf den Kopf stellen, längst woanders entwickelt. Unser Land verfügt derzeit über keine wettbewerbsfähige digitale Infrastruktur. Die hiesigen Rechtssysteme bedürfen einer Anpassung an das digitale Zeitalter. Insbesondere in der IT-Wirtschaft steuert unser Land auf einen massiven Fachkräftemangel zu. Um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, hat der Wirtschaftsrat ein „Digitales Haus“ entwickelt. Wir brauchen digitale Autobahnen, wir brauchen einen ordnungspolitischen Rahmen und wir brauchen mündige Nutzer und mündige Unternehmer.

Gerade mittelständische Unternehmen – das Rückgrat unserer Wirtschaft – haben laut der jüngsten KMU-Studie von Microsoft einen zu schwach ausgeprägten Innovationsgedanken beim Thema Digitalisierung. Aus Angst vor Sicherheitslücken, einem Mangel an Budget und auch Know-how verschließen sie sich dieser gewaltigen Chance. Doch nicht nur der Wirtschaft fehlt es an Motivation. Ein Blick in die Digitale Agenda der Bundesregierung offenbart eine lange Liste von gutgemeinten Maßnahmen. Was fehlt ist die Vision und eine umfassende Umsetzungsstrategie.

Deutschland belegt gerade mal Platz 29

Beispielhaft hierfür steht das Versprechen, bis 2018 eine flächendeckende Grundversorgung mit 50 Mbit/s sicherzustellen. Im Bundeshaushalt ist dies nicht unterfüttert. Es fehlt ein Umsetzungsplan. Dabei belegt Deutschland aktuellen Zahlen zufolge in einem weltweiten Ranking der Länder mit dem schnellsten Internetzugang Platz 29. Südkorea, Japan und die Schweiz sind weit vor uns. Was die Versorgung mit schnellen Glasfaserleitungen betrifft, ist die Lage noch düsterer: Im europäischen Vergleich liegen wir mit einer Glasfaser-Quote von nur einem Prozent an letzter Stelle. Statt auf digitalen Autobahnen schnell vorwärts zu kommen, fahren wir die meiste Zeit gemütlich auf der Landstraße.

Bei der Digitalisierung steht nicht nur die Politik in der Pflicht. Im Sinne des Digitalen Hauses müssen auch die Unternehmen ihren Teil zum Gelingen der digitalen Transformation beitragen. Damit Deutschland seinen Vorsprung beim Thema Industrie 4.0 weiter ausbauen kann, müssen auch Unternehmen zusammenarbeiten und die Standardisierung wesentlicher Technologien vorantreiben, um die notwendige Interoperabilität bei Industrie 4.0 zu gewährleisten. Unverzichtbar ist eine enge Zusammenarbeit deutscher Start-ups mit der „klassischen“ Wirtschaft, damit beide Seiten voneinander lernen können. Insbesondere gilt es, Wachstumsfonds für deutsche Start-ups zu etablieren und den Zugang auch zu „heimischen“ Wagniskapital zu verbessern.

Mit einer gemeinsamen, effizient aufeinander abgestimmten Strategie – einem gemeinsam zu bauenden Haus – wird das Digitale Wirtschaftswunder funktionieren, kann Deutschland wettbewerbsfähig bleiben.

Dorothee Belz

Vorsitzende der Bundesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft und Mitglied im Präsidium des Wirtschaftsrats der CDU e.V.

Kommentar verfassen