Die unsinnigste Steuerart, oder : Schilda lässt grüßen

Keine Kommentare Lesezeit:

Die planmäßige Organisation und Umsetzung von Unsinn begann bekanntlich in diesem allseits bekannten und dadurch berühmt gewordenen Städtchen mit seinen merkwürdigen Bürgern. Fortgesetzt wurde dieses Treiben an den unterschiedlichsten Orten zu den verschiedensten Sachverhalten. So auch beim heutigen System der Umsatzbesteuerung auf der Unternehmensebene, einem Nullsummenspiel mit gigantischem bürokratischem Aufwand – und weit geöffneten Türen für Mißbrauch. Ein Debattenbeitrag von Detlef Boltersdorf, geschäftsführender Gesellschafter von Brohl Wellpappe.

Wie das? Kann man sich vorstellen, dass der Staat, wenn er einen Sachverhalt nicht besteuern will, dies dennoch tut, um dann dem Steuerpflichtigen den Betrag anschließend wieder gutzuschreiben? Genau dies passiert Jahr für Jahr bei Billionen von Vorgängen in Deutschland bei Geschäften zwischen Unternehmen.

Verfolgen wir dies doch einmal bei einem Pfund Kaffee, das Petra Musterfrau bei Aldi kauft. Viele Wochen vorher hat die Aldi Filiale an die Firma Allesverwerter ihre Karton- und Papierabfälle verkauft und der Firma Allesverwerter eine Rechnung geschrieben mit separat ausgewiesener Mehrwertsteuer. Schon der Name dieser Steuer ist eine Mogelpackung, denn hier wird kein Mehrwert besteuert sondern rein gar nichts! Denn die Firma Allesverwerter zahlt Aldi die Steuer, die dieser an das Finanzamt abführt, gerne, denn sie bekommt sie vom Finanzamt wieder gutgeschrieben. Allesverwerter verkauft dann das Altpapier weiter an die Papierfabrik Weisse Mühle KG, schreibt eine Rechnung an die Papierfabrik, lässt sich von ihr die Mehrwertsteuer bezahlen und führt diese ab ans Finanzamt, welches wiederum die bezahlte Steuer als Vorsteuer gutschreibt.

So geht das munter weiter

Von der Papierfabrik an den Verpackungshersteller, vom Verpackungshersteller an den Kafferöster und von diesem wiederum an Aldi. Nach diesem aufwendigen Nullsummenspiel findet dann zum ersten mal ein Verkauf statt, der dem Fiananzamt Geld in die Kasse bringt, das es behalten darf. Von Frau Musterfrau nämlich. 

Wenn man sich überlegt , wieviele Rohstoffe , Materialien , Hilfs- und Betriebstoffe und Maschinen auf den Vorstufen Tag für Tag benötigt und vom Lieferanten in Rechnung gestellt werden und dafür Mehrwertsteuer hin und her überwiesen wird und das alles für nichts und wieder nichts , dann fragt man sich wirklich , wer solchen Unfug denn erfunden hat bzw. in welcher Stadt denn dieses wohl geschah. 

Nur – damit ist die Geschichte von der Narretei noch nicht zuende! Findige Betrüger hat man durch dieses System natürlich auch auf den Plan gerufen, denn wie oder wo sonst kann man den Staat schon mal dazu verleiten, Geld zu schicken und sogar in großen Mengen, wo er doch sonst nur nimmt? Die Antwort ist ganz einfach: mithilfe der Mehrwertsteuer! So schaffen es Jahr für Jahr einfallsreiche, wenn auch kriminelle Köpfe, sich das System zunutze zu machen und die Staaten durch sogenannte Mehrwertsteuer-Karusselle um viele Milliarden zu betrügen. Vereinfacht funktionieren die, indem der eine nicht abführt, der andere aber kassiert. Ermöglicht wird dies ausschließlich durch das beschriebene Verfahren.

Ohne Mehrwertsteuer auf der Ebene der Unternehmen wäre sofort Schluss damit.

Ein weiteres Elend ist, dass der Staat bekanntermaßen ein Lump ist, der sich rächt  – und zwar an allen anderen. Wie das? Notorisch um Geld verlegen, schickt er seine Büttel  – sprich Betriebsprüfer  – aus, um kleinste Fehler, meist formale, an irgendwelchen Rechnungen zu entdecken. Nicht, dass der Staat der Meinung wäre, das Unternehmen hätte irgendwelche krummen Dinge versucht, nein,  es hat ihm nur den Gefallen getan, auf irgendeine neue Vorschrift nicht zu achten, oder an irgendeiner Stelle das genaue Lieferdatum nicht vermerkt zu haben, oder irgendeine sonstige formale Kleinigkeit übersehen zu haben! Und schon reibt er sich die Hände und versagt die eigentlich fällige Gutschrift oder fordert Steuer nach, belastet das Unternehmen auf diese Weise mit einer Steuer, die gar nicht so gedacht ist. 

Wer macht dem unsinnigen Spiel denn mal ein Ende?

 

Detlef Boltersdorf ist geschäftsführender Gesellschafter der Brohl Wellpappe GmbH in Mayen und Regionalvorsitzender Mittelrhein des Verbandes Die Familienunternehmer.

Kommentar verfassen