Trump: Kann ein Unternehmer Präsident?

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Donald Trump ist mit klarer Mehrheit zum Präsidenten der USA gewählt worden. Gemessen an fachlichen Kriterien ist das eine vernünftige Entscheidung. Eine Analyse aus Personaler-Sicht. Von Dr. Günther Würtele.

I. Die Ausgangssituation

Die Antwort auf die Frage, ob es eine gute Wahl gewesen ist, lässt sich aus heutiger Sicht nur so geben, indem man versucht zu analysieren, ob Donald Trump persönlich und fachlich geeignet ist, die Aufgabe des Präsidenten zu bewältigen. Hierzu ist es erforderlich, die Aufgabe eines USA-Staatspräsidenten zu betrachten und ein Anforderungsprofil abzuleiten. Dem gegenüber stehen die fachliche Qualifikationen, Erfahrungen und persönlichen Eigenschaften, die Donald Trump mitbringt.

II. Die Aufgabe des Präsidenten der USA

Der amerikanische Präsident ist Staatoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Armee zugleich. Als Staatsoberhaupt ist er der Repräsentant des Landes nach Innen und nach Außen. Er ist im juristischen Sinne der Vertreter des Landes bei der Gesetzgebung und der Besetzung von Spitzenpositionen im Staat. Als Regierungschef ist er der Leiter der Exekutive mit entsprechender Richtlinienkompetenz. Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte hat er die höchsten weitgehende Entscheidungsbefugnisse, sogar über Krieg der Frieden.

III. Das Anforderungsprofil des Präsidenten der USA

Für die Aufgabe als Staatsoberhaupt sind einige persönliche Eigenschaften von zentraler Bedeutung. Er muss national und international Vertrauen genießen beziehungsweise dieses aufbauen. In seinem Denken, Reden und Auftreten muss er würdevoll, glaubwürdig, über alle Menschen hinweg integrierend sein und dennoch auch klare Positionen beziehen. Fachliche Kompetenz über alle Ministerien und Bereiche hinweg, die Fähigkeit politische Mehrheiten zu organisieren und das Machbare zu schaffen sind ebenfalls wichtig. Zudem muss er fähig sein, das Land wirtschaftlich und politisch zu positionieren – unter Berücksichtigung der vorhandenen Stärken und Schwächen. Für die Aufgabe als Oberbefehlshaber der Streitkräfte bedarf es einer stabilen Persönlichkeit geprägt von höchsten moralischen Wertmaßstäben. Über allem steht immer verantwortungsvolles Handeln.

„Ein Unternehmer muss Risiken einschätzen können und bereit sein, Risiken zu tragen und Verantwortung zu übernehmen. Ganz persönlich.“

IV. Die Aufgaben eines Unternehmers

Die Aufgabe eines Unternehmers ist der verantwortungsvolle Umgang mit Menschen und Ressourcen mit dem Ziel, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, herzustellen und zu verkaufen, damit eine Wohlstandsmehrung entsteht. Er hat die Aufgabe, die richtige Positionierung seines Unternehmens vorzunehmen und mit dem Management die Maßnahmen durchzuführen, um die langfristige Ressourcenmehrung und die Unternehmenssicherung zu gewährleisten. Und zwar so, dass alle Stakeholder (Eigenkapitalgeber, Fremdkapitalgeber, Mitarbeiter, Öffentlichkeit, Kunden und Lieferanten) möglichst integriert und zufriedengestellt werden.

V. Das Anforderungsprofil eines Unternehmers

Ein erfolgreicher Unternehmer muss glaubwürdig sein, um Vertrauen zu genießen und Vertrauen aufbauen können – und zwar über unterschiedliche Menschen und Stakeholder-Ebenen hinweg. Er sollte fachkompetent und innovativ sein, Menschen für seine Projekte und Ziele gewinnen können. Er muss Risiken einschätzen können und bereit sein, Risiken zu tragen und Verantwortung zu übernehmen. Ganz persönlich.

VI. Die Analyse der Parallelitäten

Stellt man die Aufgabe und die daraus abgeleiteten Anforderungen gegenüber, so gibt es ein hohes Maß an Parallelität. Von zentraler Bedeutung sind die Positionierung des Landes beziehungsweise des Unternehmens, die Definition langfristiger Ziele und die Festlegung von Maßnahmen und Sicherstellung deren Realisierung, um so die Zukunftssicherung des Landes beziehungsweise des Unternehmens zu erreichen. Dabei muss man die Menschen beziehungsweise Stakeholder mitnehmen und eine Sprache sprechen, die sie verstehen. Und dazu ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit mitbringen, um Vertrauen zu gewinnen. Ein Unternehmer muss jeden einzelnen Mitarbeiter an seinem Platz stark machen, damit das ganze Unternehmen stark ist. Das gilt auch für einen Präsidenten: die Menschen stärken und das Land stark machen, um dann auch für andere Aufgaben bereit und gut aufgestellt zu sein.

„Nur wer stark ist, kann für andere da sein und Gutes tun.“

VI. Donald Trump

Donald Trump ist ein Unternehmer. Wie erfolgreich er wirklich ist, wissen wir nicht. Er hat bislang Erfolge und Misserfolge erzielt. Er ist nur deswegen noch Unternehmer, weil Gläubiger auf Forderungen verzichtet haben. Er hat Verantwortung übernommen und sein Unternehmen neu und offensichtlich gut aufgestellt. Er spricht die Sprache der Menschen, die jeden Tag in Familie oder im Beruf ihre Pflicht tun und in der Politik der Ideologen nicht mehr vorkommen, außer dass sie Steuern und Abgaben zahlen und reglementiert werden. Er hat Realitätssinn und will mit Großmächten wie Russland reden. Er will nicht mit erhobenem Zeigefinger auftreten und die Menschen der Welt mit den Werten der westlichen Welt belehren. Das klingt hoffnungsvoll.

Trump muss allerdings auch Problemfelder lösen und darf dabei keine Interessenskonflikte mit seinem Unternehmen aufkommen lassen. Zudem kann er im Gegensatz zur Situation eines Unternehmers, nicht „Mitbürger entlassen“. Er muss sie möglichst integrieren und für alle Bürger Angebote vorsehen. Gelingt ihm das, darf man die Hoffnung auf einen guten Präsidenten haben. Wenn Trump davon spricht, Amerika wieder groß und stark zu machen, ist das nicht eine Botschaft für Protektionismus. Es ist schlicht und ergreifend die Voraussetzung, um wirklich auch international positiv wirken zu können. Nur wer stark ist, kann für andere da sein und Gutes tun. Es gibt folglich gute Gründe, auf einen guten Präsidenten und auf ein starkes Amerika zu hoffen und zu setzen.

Dr. Günther Würtele war bis 1994 Geschäftsführer und Partner bei Arthur Andersen. 1994 gründete er die WP Human Capital Group, die sich auf C-Level-Besetzungen spezialisiert hat. Er ist zudem Publizist, Buchautor und Herausgeber des Board Report, in dem dieser Beitrag zuerst erschien. 

Foto: Gage Skidmore

4 Antworten zu “Trump: Kann ein Unternehmer Präsident?”

  1. Es wird in diesem Artikel viel und oft über Glaubwürdigkeit als Voraussetzung für eine guten Unternehmer/Präsident gesprochen. Leider aber wird nicht darauf eingegangen, dass es wohl kaum einen weniger glaubwürdigeren (öffentlichen) Menschen gibt, als D. Trump, der mit der Wahrheit so beliebig umgeht, wie mit Menschen. Amerika „wieder groß und stark“ machen zu wollen, wäre tatsächlich noch kein zwangsläufiger Protektionismus. Die Art und Weise, wie allerdings Trump dies angehen will, ist purer und reinster Protektionismus. Denn immerhin sollen Waren aus dem Ausland durch Strafzölle künstlich verteuert werden, um deren nationale Produktion zu begünstigen. Selbst wenn dieser sehr naive Gedanke, neue Jobs zu schaffen, funktionieren würde, wäre da zuerst mal die Frage zur Nachhaltigkeit dieser neuen Jobs zu beantworten. Und vor allem muss die Frage nach der Qualität der dadurch geschaffenen Produkte gestellt werden. Denn nicht jede Wirtschaft kann wirklich alles …

  2. Ein solcher Unternehmer kann kein Präsident sein !! Leider siegt in USA das Kapital vor Intelligence.
    Die Pleiten, die er mit den Casinos hingelegt hat, was tausende Menschen arbeitslos gemacht und Subunternehmer in die Insolvenz getrieben hat, sprechen Bände. Er ist ein verantwortungsloser Lügner, der als Blutsauger nun das US amerikanische Volk durch seine astronomisch hohen mtl. Kosten für Reisen und Hobby ausnimmt.

  3. Ingrid sagt
    Herr Trump ist der neue Präsident der Bürger Amerikas. Er sollte das tun, wofür ihn die Bürger gewählt haben zum Wohle Aller und nicht nur zum Wohle einiger Wenige. Und nur dies ist seine Aufgabe als Volksvertreter. Wir sollten uns in den nächsten Monaten ansehen, ob ihm dies gelingt.

  4. Mittelständische firmen gehen sorgsam mit Menschen um. Manger von grossen Firmen sind nur dem charholder value verpflichtet. Ein Millständischer Unternehmer kann nicht in die Politik ohne sein unternehmen zu gefährden

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