Innovator oder Spätzünder?

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Der deutsche Mittelstand beeindruckt die Welt, von Amerika über UK bis Asien: Man beneidet die Deutschen für dieses einzigartige Phänomen, das der deutschen Wirtschaft nach wie vor mehr als die Hälfte der gesamten Nettowertschöpfung beschert. Doch wie “digital transformiert” ist der Mittelstand?

Oft wird der Mittelstand auch für seine Innovationskraft gelobt, einem wichtigen Faktor für dessen hohe Wettbewerbsfähigkeit. Doch gilt diese Innovationskraft auch für Themen der digitalen Transformation, mit Schlagworten wie Digital Disruption, Industrie 4.0 und Internet der Dinge?

Nach einer Studie des Bundesverbands für mittelständische Wirtschaft (BVMW) geben 81% der deutschen Mittelständler an, dass die digitale Transformation in ihrem Unternehmen überwiegend umgesetzt ist. Immerhin 28% seien in ihrem Kerngeschäft bereits komplett auf digitale Prozesse umgestellt. Allerdings drückt diese Selbstsicht aus, dass Unternehmen unter “digitaler Transformation” oft lediglich eine Prozessoptimierung verstehen – tatsächlich geht es aber um weit mehr, bis hin zur Entwicklung von völlig neuen Geschäftsmodellen.

„Der Mittelstand muss sich bei der digitalen Transformation zwar nicht hinter den Konzernen verstecken“, sagt Julia Böge, Client Partnerin der Personalberatung InterSearch Executive Consultants. „Doch das Thema wird häufig auf die IT-Ebene reduziert. Dabei betrifft die digitale Transformation alle Strukturen und Prozesse im Unternehmen – und diese zukunftsfähig zu machen, ist Chefsache.“ Doch in weniger als der Hälfte der Unternehmen steht das Thema Digitalisierung auf der Agenda der obersten Führungsebene. Und ob Chefsache oder delegiert an IT Verantwortliche: Oft mangelt es an einer strategischen Agenda für die digitale Transformation – eine solche existiert nur in 60% der Unternehmen.

Für produzierende Unternehmen ist die Modernisierung der Kundenbeziehung und des Kundenerlebnisses ein wichtiger Fokuspunkt der digitalen Transformation

Einige Branchen sind schon sehr weit fortgeschritten digitalisiert oder stecken mitten in weit greifenden Veränderungsprozessen – wie die Musikbranche, der Einzelhandel oder die Medienwelt. Im Kontrast dazu tun sich gerade diejenigen Unternehmen mit der Digitalisierung schwer, die reale Produkte herstellen. Denn diese lassen sich nicht “einfach so” digitalisieren. Hier läuft die Digitalisierung neben Optimierungen innerhalb der Wertschöpfungsketten eher über den digitalen Kontakt zum Kunden.

Nicht nur für BtoC, sondern gerade auch für BtoB Unternehmen steckt darin ein besonders großes Potenzial. Denn hier ist es klassischerweise oftmals so, dass die Unternehmen mit den Endkunden eher seltener selbst in Kontakt kommen, da der Vertrieb und Verkauf von Produkten über Zwischen- und Großhändler abläuft. Der Einfluss auf das Kundenerlebnis ist also relativ gering – bisher.

Schon allein die Schaffung einer modernen Unternehmenswebsite ist ein wichtiger erster Schritt, das Kundenerlebnis zu verbessern und neue Möglichkeiten des Kundendialogs überhaupt erst möglich zu machen. Viele Mittelständler beschränken die Rolle Ihrer Website nach wie vor auf eine Art “digitale Visitenkarte” oder bestenfalls “digitalen Produktkatalog”. Dabei kann die Unternehmenswebsite durch innovative Technologien wie Chats, agile (Produkt-)Konfiguratoren oder eine auf intelligenter Datennutzung beruhenden individuellen Kundenansprache viel mehr leisten – bis hin zu eCommerce Geschäftsmodellen, wie Sie zum Beispiel der “alt eingesessene” Stahlhändler Klöckner realisiert hat.

Die digitale Zukunft hält für alle Chancen bereit

Wenn ein solcher Brückenkopf steht, erschließen sich neue Vertriebs- und Serviceansätze. Wie zum Beispiel beim Schlüsselhersteller Silca, der den Kunden seit neuestem per App die Bestellung von Schlüsselrohlingen mit drei Klicks über das Scannen von Barcodes im Katalog oder auf dem Packaging ermöglicht. Für den Kunden ist das Bestellprozedere radikal vereinfacht – für Silca eine Vielzahl von Business Prozessen deutlich verschlankt.

Viele Mittelständler denken immer noch, die digitale Transformation sei etwas ‘für die anderen’ und dass es im eigenen Business weder Bedarf noch echte Möglichkeiten digitaler Projekte gibt. Aber das könnte falscher nicht sein. Wenn man sich dem Thema nur öffnet, schlummern in jedem Unternehmen erfolgversprechende Ideen für die digitale Zukunft.

 

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Paolo Anania ist CEO der Granpasso Digital Strategy GmbH, Fachpublizist und Mitglied im Bundespräsidium der Jungen Unternehmer BJU e.V. sowie Leiter des Klubs der Gründer Niederrhein. Als Entrepreneur und Digital Consultant sieht er seine Aufgabe nicht nur in strategischer Planung und Umsetzung von Projekten, sondern vor allem auch in der Vermittlung des weiten (und manchmal unverständlichen) Themenfeldes der Digitalen Transformation an Menschen, die damit in ihrem Berufsalltag herausgefordert werden – und an solche, die Entscheidungen von enormer Tragweite für die (digitale) Zukunft ihres Unternehmens zu tragen haben.

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