Insolvenz als Gründungschance

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Zu einer gesunden Wirtschaft gehört nicht nur das Kommen, sondern auch das Gehen von Unternehmen. Doch Insolvenz bedeutet nicht immer das Ende. Manchmal kann aus einem gesunden Kern mit frischen Ideen neues Leben erwachsen – wie der Erfahrungsbericht von Benno Hübel, Inhaber und Geschäftsführer von Sawade, zeigt.

Im Sommer 2013 hörte ich von der Insolvenz der Pralinen und Trüffelmanufaktur Sawade im Radio und war sofort interessiert. Ich bin gelernter Koch und Betriebswirt und habe eine Leidenschaft für die Themen Genuss, hochwertige Lebensmittel und ihre Verarbeitung. Meine Frau und ich haben uns das Unternehmen angeschaut und sofort die Insolvenz als Gründungschance gesehen. Mit Sawade fanden wir eine Prinzessin im Dornröschenschlaf vor. Wir erkannten schnell die herausragende Qualität der Produkte, wie auch die Schwachstellen in der Führung des Unternehmens. Die 50 Mitarbeiter waren hoch motiviert und von ihren Produkten überzeugt. Aufgeben kam für die Belegschaft nicht in Frage! Doch Marke und Kommunikation mussten neu aufgebaut werden.

Neugründung war keine Alternative

Sawade galt unter Kennern als bekannter Geheimtipp. Stammkunden und Fachleute wussten, welche Qualität sich hinter dem Namen verbirgt. Neue Kunden und ein jüngeres Publikum wurden aber kaum erschlossen. In den alten Schachteln aus den 70er bis 90er Jahren waren Qualität und Genuss kaum zu erahnen. Auch der große Markt der Touristen wurde wenig angesprochen.

Insgesamt war uns klar: Sawade hat ein enormes Potenzial im Süßwarenmarkt.
Der Kauf des insolventen Unternehmens war für uns keine Alternative zu einer Neugründung. Wir haben Mitarbeiter übernommen, die über ein enormes handwerkliches Know-How verfügen. Confiseure, Süßwarenmeister und Konditoren, die handwerklich versiert und fachkundig unsere Süßwaren herstellen können.

Schätze, die es zu entdecken galt

Dazu eine tolle Firmenhistorie: Sawade ist Berlins älteste Pralinenmanufaktur. Gegründet 1880 ist das Unternehmen heute über 135 Jahre alt. Der erste Laden war „Unter den Linden“ in Berlins Mitte. Als ehemaliger „Königlicher Hoflieferant“ basiert unser Rezeptfundus auf traditioneller Confiseriekunst. Diese Schätze lagen alle verborgen im Unternehmen und es galt sie zu entdecken. Darauf bauen wir auf. Den Boom den Berlin momentan erlebt, kommt uns selbstverständlich zu Gute. Mehr als 11,9 Millionen Gäste besuchten Berlin im vergangenen Jahr – Tendenz steigend. Wir können dem Wunsch der Besucher „ein Stück Berlin“ mit nach Hause zu nehmen mit unseren Pralinen nachkommen. Auch die Trends der bewussten Ernährung und des Genusses passen zu uns. Unsere Pralinen und Trüffel waren und bleiben frei von Palmöl, künstlichen Aromen und chemischen Konservierungsmittel.

Auf dieses Fundament gilt es mit modernen Vertriebswegen aufzusetzen. Stichworte für die Zukunft sind für uns: Ausbau eines Online-Shops, Eröffnung eines Flagship-Store, Angebot eines Shop-in-Shop Systems für Händler, Erweiterung des Vertriebs ins Ausland – und viele Ideen mehr, um aus der „Chance Insolvenz“weiterhin  echten Erfolg zu machen.

Benno Hübel ist Inhaber und Geschäftsführer von Sawade. Der Name Sawade steht seit 1880 für erlesene Pralinen, Trüffel und Schokolade­nspezialitäten aus Berlin. Als ehemaliger Hoflieferant seiner Königlichen Hoheit Georg von Preußen und des Großherzogs von Sachsen-Weimar Eisenach fertigt die Manufaktur bis heute international prämierte Kreationen, die aus natürlichen Rohstoffen entstehen.

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