„Sehr verhaltene Sympathiebekundungen für den Euro“

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Im DDW-„Ferngespräch“: Volker Kleensang ist Geschäftsführer der litauischen Niederlassung der Hamburger Fachspedition HOYER Group, einem deutschen Familienunternehmen und Global Player im Bereich Logistik.
Der Diplom-Betriebswirt mit Abschluss in Osteuropastudien und Speditionskaufmann engagiert sich schon seit langem nicht nur beruflich für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Baltikum, unter anderem auch als Vorstandsmitglied der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Litauen.

 Herr Kleensang, was reizt Sie an der baltischen Kultur und den Menschen?

Im Baltikum treffen die verschiedensten Völkergruppen und Nationalitäten zusammen, woraus sich eine Kultur der gegenseitigen Verständigung entwickelt hat. Aufgrund der Nähe zu den Nachbarländern Weißrussland und Russland bestehen hier enge Beziehungen, die sich positiv auf das Zusammenleben auswirken. Natürlich gibt es Unterschiede zur deutschen Kultur, aber wenn arrangiert und offen auf die Menschen zugeht wird man nicht enttäuscht werden. Es gibt hier sehr viele fleißige, zuverlässige und tolle Leute mit denen es Freude macht zusammen zu arbeiten und sich auszutauschen.

Litauen hat sich erstaunlich schnell von der Wirtschaftskrise berappelt und belegt bei den Wachstumszahlen heute wieder einen Spitzenplatz in Europa. Was können wir von den Litauern lernen?

Litauer haben, gerade in Krisenzeiten, eine hohe Innovations- und Improvisationskraft, dies gepaart mit der Geduld und Gelassenheit sowie Kontinuität konzentriert Dinge voran zu treiben, ist mit Sicherheit eines der Erfolgsfaktoren dieses Landes.

Man liest, dass viele junge und gut qualifizierte Litauer das eigene Land wegen des niedrigen Lohnniveaus verlassen. Führt das zu spürbaren Engpässen auch in Ihrem Geschäft?

Dies ist natürlich ein sehr wichtiges Thema, übrigens nicht nur in Litauen sondern in ganz Osteuropa. Die Logistikbranche spürt dies vornehmlich in dem Mangel an Berufskraftfahrern und gut ausgebildeten Fachkräften. Aber es kommen vermehrt gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland zurück und finden hier gute Einstiegsmöglichkeiten.

In Litauen wurde erst zum Beginn dieses Jahres der Euro eingeführt, und damit zu einer Zeit wo die Gemeinschaftswährung hierzulande nicht mehr die allerhöchsten Sympathiewerte erreicht. Wie haben die Litauer ihren Währungswechsel angenommen? 

Die Einführung des Euro war eine logische Konsequenz der europäischen Integration und vereinfacht viele administrative Vorgänge mit dem Ausland. Die Litauer selbst müssen die starken Preiserhöhungen schultern, wodurch die Sympathiebekundungen für den Euro sehr verhalten ausfallen.

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