„Südafrika muß Reformen angehen“

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Im DDW-„Ferngespräch“: Ralf Franke, Johannesburg / Südafrika. Der geborene Bremer Ralf Franke hat das Logistik Geschäft von der Pike auf gelernt. Seine Karriere begann er vor 40 Jahren in der Bremer Niederlassung der Spedition Kühne + Nagel. Nach Stationen in der Türkei und in Indonesien verantwortet er seit seit 1997 die Sparte Projekt-Logistik, und seit Beginn dieses Jahres auch die Oel- und Gaslogistik im südlichen Afrika des mittlerweile zum größten Seefrachtspediteur der Welt angewachsen Konzerns. Nach fast 19 Jahren vor Ort ist er mit Südafrika fest verwachsen und engagierte sich in Johannesburg fünf Jahre als Vorstandsvorsitzender für die Deutsche Internationale Schule und ist noch heute im Beirat der Southern African – German Chamber of Commerce & Industry tätig.

Herr Franke, in den zurückliegenden Jahren in Südafrika haben Sie einen enormen gesellschaftlichen Wandel begleiten können, erst die Nachwirkungen der Apartheid, dann den Weg zur Dienstleistungsgesellschaft. Wie hat sich das Leben für Sie und Ihre Familie verändert?

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat speziell Johannesburg eine enorme Entwicklung durchlaufen. Im Vergleich zu vor neunzehn Jahren wurde die Stadt immer internationaler. Auch die Infrasruktur hat sich bis 2010 verbessert, heutzutage wird überwiegend in öffentliche Verkehrsmittel investiert, da ein erheblicher Nachholbedarf besteht. Die Lebensqualität mit guten Restaurants, einer große Bandbreite von Veranstaltungen, dem ausgesprochen guten Klima, den vielen Golfplätzen in der zurecht als „grünste Großtadt der Welt“ bezeichneten Metropole sehr hoch – trotz der noch immer noch hohen Kriminalität. Die verhältnismäßige Nähe zu Nationalparks ist ein zusätzlicher AnreizJohannesburg ist gewiß eine der der “Boomtowns” dieser Welt, was allerdings auch dazu führt, dass die Lebenshaltungskosten gestiegen sind.

„Südafrika hat enormes Potential“

Südafrika hat zwischen 2007 und 2009 seine erste große Rezession durchlebt. Deutschland ist aus den jüngsten Wirtschaftskrisen zuletzt gestärkt hervorgegangen und Unternehmen konnten weiteres Wachstum freisetzen. Gibt es in Südafrika ähnliche positive Effekte?

Es gab sie, aber seit einigen Jahren haben Faktoren wie lange und gewalttätige Streiks, eine umstrittene Visapolitik, die einseitige Kündigung des Investitionsabkommens mit der EU, die immer wieder geänderten sogenannten B-BBEE Parameter (deutsch etwa „Breit angelegte wirtschaftliche Stärkung von Schwarzen“) sowie eine zwischenzeitlich behobene mangelnde Energieverfügbarkeit diese Entwicklung gestoppt. Ein Übriges hat des Verfall der Rohstoffpreise bewirkt, was sich speziell bei der Investitionsfreundlichkeit der ansässigen Firmen negativ bemerkbar macht. Dennoch muss ich sagen, dass Südafrika ein enormes Potential hat und ich bin davon überzeugt, dass dieses Land aus dieser Talsohle wieder herauskommt, Hierzu muss aber die Regierung einige Reformen vornehmen und eine wirtschaftsfreundliche Politik betreiben.

„Eines der interessantesten Länder der Welt“

Was wären in diesem Zusammenhang konkrete Entwicklungsherausforderungen?

Dazu habe ich schon zuvor Stellung genommen. Das Bankensystem, die Bundesbank und das Finanzamt sind tatsächlich gut funktionierende Institutionen. Das gleiche trifft auf den Versicherungssektor zu. Auch das Straßennetz ist für afrikanische Verhältnisse ungewöhnlich gut. Das Niveau des Schulsystem hat sich leider verschlechter, in meinen Augen auch das der Universitäten. Aus dem letzteren Grund sind Fachkräfte nicht in hohem Masse verfügbar. Jeder Bessergestellte dieser Gesellschaft und auch alle größeren Unternehmen haben eine soziale Verantwortung, diese Situation zu verbessern. Hierzu sind firmeninterne Schulungen  erforderlich. Dazu gehören auch im Rahmen des B-BBEE-Programms notwendige Maßnahmen, die sich aber bei entsprechendem Engagement auszahlen.

Expat in Südafrika, ist das ein Traumjob?

Meiner Meinung nach ist Südafrika eines der interessantesten Länder der Welt. Die Herausforderungen sind vielschichtig, was aber eine Tätigkeit und einen Aufenthalt auch attraktiv macht. Und was ist schon ein „Traumjob“? In meinen Augen ein Beruf, der Spaß macht, Vielseitigkeit, Offenheit und Flexibilität verlangt. Das habe ich hier in der Tat.

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