Gesundheitsmanagement 4.0

Keine Kommentare Lesezeit:

Integratives Betriebliches Gesundheitsmanagement (iBGM) sollte nach den inzwischen langjährigen Erfahrungen in Unternehmen aller Größen und Sparten immer ganzheitlich und strategisch ausgerichtet sein. Nur so wird es nachhaltig erfolgreich sein und den Mitarbeitern und Unternehmern den erhofften Nutzen bringen. Hier Tipps, wie es klappen kann. Von Tom Conrads

Wissen, Identifikation mit und Freude am Thema sind dabei Grundvoraussetzungen für jeden erfolgreichen iBGM-Prozess. Dies gilt für alle Beteiligten am iBGM, egal ob ausführend oder anderweitig beteiligt. Mitarbeiter, Führungskräfte, Geschäftsleitung, innerbetriebliche Verantwortliche oder externe Umsetzer, alle benötigen eine dauerhafte Berücksichtigung ihrer fachlichen und emotionalen Bedürfnisse. Denn mal ganz ehrlich, haben Sie schon einmal etwas dauerhaft betrieben, was Ihnen keine emotionale Befriedigung gegeben hat? Wie war es zum Beispiel beim letzten Versuch, die Ernährung umzustellen? Wie lange hielt der Vorsatz, ihren Komfortbereich öfter zu verlassen? Verlassen Sie ihn überhaupt jemals ohne die Aussicht auf ein gutes Gefühl, eine Bestätigung oder auch einfach auf Freude?

Um im iBGM erfolgreich zu sein, braucht man ein dauerhaftes und beständiges Engagement in allen Phasen.

Die 6+1 Wachstumsphasen eines erfolgreichen integrativen BGM-Prozesses

Bei den vielen iBGM-Projekten in kleinen und großen Strukturen, die in den letzten Jahren erfolgreich begleitet und geprägt wurden, waren Spaß und Freude immer die Basis. Das ist das +1 bei den 6+1 Phasen und ein wichtiger Teil jeder iBGM Mission.

Hinzu kommen noch weitere sechs elementare Phasen.

  1.  Klärung des heutigen ganzheitlichen Gesundheitsbegriffs
  2.  Initiierung des Gesundheitsmanagement-Prozesses
  3.  Erarbeitung des iBGMs
  4.  Steuerung des iBGMs
  5.  Umsetzung des iBGMs
  6.  Evaluation des iBGMs

Diese 6 Säulen ermöglichen einen befriedigenden und erfolgreichen iBGM-Prozess zu initiieren, zu begleiten, zu steuern und kontinuierlich zu verbessern. Dies sind die 6 Wachstumsphasen von der Idee des iBGMs (quasi „der kleine, zarte Sprössling“) bis hin zu einem dauerhaften gemeinschaftlich reflektierten Gesundheitsmanagement (quasi „die große, beständige Eiche“).

Entscheidend für den Erfolg Ihrer iBGM-Entwicklung ist es, alle Phasen gewissenhaft zu berücksichtigen. Einzelmaßnahmen oder ein buntes Maßnahmenbündel führen nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Die strategische Prozessentwicklung, orientiert an den Werten und Zielen des jeweiligen Unternehmens, stellt die Basis. Das Saatgut für eine solide Eiche. Daraus erwachsen, bildlich gesprochen, ein stabiler Stamm und tragfähige Äste, die das iBGM in einem Unternehmen einerseits dauerhaft gedeihen lassen und andererseits fest verwurzeln. Ganz im Gegensatz dazu steht die im iBGM oft genutzte Metapher eines bunten Straußes an oberflächlich strahlenden Blumen, die schnell ihren Glanz verlieren. Sie verblühen, um dann gänzlich und nicht mehr gut duftend zu verschwinden. Diese Form der Sammelsurien betrieblicher Gesundheitsförderungsmaßnahmen ohne echte Strategie und spezifische Zielorientierung sollte inzwischen der Vergangenheit angehören. Wir wissen dafür heute zu gut, dass ein einmal verbranntes Feld Gesundheit in einem Unternehmen viele Jahre braucht, um erneut fruchtbarer Boden zu werden.

Die 6 Wachstumsphasen des iBGM-Prozesses und deren erfolgreiche Umsetzung

Es ist wichtig zu verstehen und zu verinnerlichen, wo üblicherweise die Erfolgsfaktoren (die Gießkanne, der Dünger, die Wachstumsbeschleuniger) und wo die Stolpersteine in jeder dieser 6 Wachstumsphasen liegen.

Folgende Fragen werden dabei für sie hilfreich sein:

  • Wo gilt es konsequent einer Vision zu folgen?
  • Welches ganzheitliche Grundverständnis von Gesundheit sollte hinter einem iBGM stehen?
  • Wann muss ich wen strategisch einbinden? Und wie geht das?
  • Warum überhaupt ist die strategische Ausrichtung wichtig?
  • Warum bringt der integrative Ansatz eine solch ungeheure Fülle an Chancen mit sich, dieIhnen die besten und echten Win-Win-Ergebnisse liefern?
  • Wie bestimme ich die unternehmensspezifische Wahl der Maßnahmen und Module?
  • Was ist bei der Umsetzung dieser entscheidend?
  • Wie messe ich den Erfolg und verbessere den iBGM-Prozess dauerhaft?

Denn eins ist ja klar: Jeder Mensch ist anders. Jedes Unternehmen ist anders. Welche Ausgangslage somit für das eine Unternehmen schlüssig und motivierend ist und für das andere keine Relevanz hat variiert stark. Überprüfen sie anhand der unten stehenden Möglichkeiten doch einmal, welches für Sie das entscheidende Motivationselement darstellen könnte.

Demografischer Wandel

Der demografische Wandel wird oft als wichtigster Aspekt für die steigende Relevanz betrieblicher Vorsorge angesehen. Das in Deutschland anzutreffende niedrige Geburtenniveau und die ansteigende Lebenserwartung führen zu einer Alterung der Bevölkerung (2060 wird laut des Bundesministeriums des Innern jeder Dritte (34 %) mindestens 65 Jahre alt sein). Die Auswirkungen werden für die Unternehmen auf verschiedenen Ebenen relevant und es müssen Bewältigungsstrategien entwickelt werden (Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit in alternden Belegschaften, Wissenstransfer, steigender Wettbewerb um den Nachwuchs, Qualifizierung älterer Beschäftigter, Employer Branding, Umgang mit dem Fachkräftemangel, Stärkung der individuellen und organisationalen Strategien zur Bewältigung psychischer Belastungen).

Anstieg psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen

Die Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV), welche die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK, 2013) für ihre jährlich erscheinende Studie zur Arbeits-und Erwerbsunfähigkeit nutzt, zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend. Demnach sind psychische Erkrankungen schon seit 2001 mit 26 Prozent die Hauptursache für gesundheitsbedingte Frühverrentungen in Deutschland. Im Jahr 2012 bezogen den Angaben zufolge rund 75.000 Versicherte erstmals eine gesetzliche Rente wegen Erwerbsminderung aufgrund psychischer Erkrankungen, was einem Anteil von fast 43 Prozent entspricht. Besonders auffällig seien nach BPtk-Angaben die seit 2001 steigenden Zahlen der Fälle, in denen Depressionen (plus 96 Prozent), Persönlichkeits-und Verhaltensstörungen (plus 74 Prozent) und Suchterkrankungen (plus 49 Prozent) die Ursache für Frühverrentungen waren.

Neue Anforderungen in der modernen Arbeitswelt

Die Wirtschaftswoche titelt am 28. Mai 2012 „In der Ära der Kopfarbeit löst der psychisch Erschöpfte den körperlich Gebrechlichen ab“ (Borghardt, 2012). Damit wird auf die wachsende Bedeutung neuer Anforderungen an die Beschäftigten und deren Auswirkungen, wie etwa Burn-Out oder Depression, eingegangen. Innerhalb der letzten Jahre ließ sich beobachten, dass die körperlichen Anforderungen zwar insgesamt betrachtet weitestgehend zurückgehen, dennoch bleibt deutlich anzumerken, dass diese nach wie vor auf einem hohen Niveau sind.

Positive Bewertung der Relevanz steigt

Immer mehr Unternehmen sehen die Notwendigkeit eines BGMs. Viele Befragungen zeigen diese Entwicklung immer wieder deutlich. Die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) hat dazu beispielhaft eine für Betriebe des produzierenden Gewerbes mit mindestens 50 und höchstens 499 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten repräsentative Studie durchgeführt. Hier wird deutlich, dass mehr als jeder dritte Betrieb (36 Prozent) gegenwärtig ein BGM durchzuführen scheint. Auffällig ist, dass insbesondere größere Unternehmen mit 200 bis 499 Mitarbeitern mit 47 Prozent deutlich häufiger BGM durchführen als Betriebe mit weniger als 200 Beschäftigten.

Steigende volkswirtschaftliche Kosten der Arbeitsunfähigkeit

Ein weiteres Motiv für die Einführung eines iBGMs sind die steigenden volkswirtschaftlichen Kosten der Arbeitsunfähigkeit (AU). Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA, 2014) zufolge verursachten im Jahr 2012 insgesamt 521,6 Millionen AU-Tage volkswirtschaftliche Produktionsausfälle von 53 Milliarden Euro. Der Ausfall an Bruttowertschöpfung wird auf 92 Milliarden Euro geschätzt. Für die Berechnung wurde eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 14,1 Tagen je Arbeitnehmer zugrunde gelegt, sodass sich ein Arbeitsunfähigkeitsvolumen von 1,4 Millionen Erwerbsjahren ergibt.

Welches dieser Argumente für ein iBGM bei Ihnen nun die höchste Relevanz hat, wird sicher sehr variabel sein und ändert sich eventuell auch mit der Zeit. Eines ist allerdings sicher, es lohnt sich in jedem Fall!

Wir wünschen ihnen viel Spaß und Freude bei Ihrem ersten Schritt!

 

Tom Conrads arbeitet seit zwanzig Jahren im Bereich des individuellen und Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Er ist Inhaber und Geschäftsführer des bundesweit tätigen iBGM-Dienstleistungsunternehmens insa Gesundheitsmanagement, Führungskräfteentwickler im iBGM und zertifizierter multimodaler Stressberater.

Kommentar verfassen