USA und Europa stützen den Export

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Die Stimmung in der Exportindustrie fängt sich nach der Schwächephase vom Herbst 2015. Die Betriebe blicken wieder zuversichtlicher auf ihre Auslandsgeschäfte, so optimistisch wie in den letzten Jahren sind sie aber noch nicht. Aus dem aktuellen Konjunkturbericht des DIHK.  

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Vor allem die Aussichten für Europa hellen sich weiter auf, die US-Konjunktur hat den allmählichen Ausstieg aus der Nullzinspolitik gut verkraftet. Die gesunkenen Ölpreise schaffen weltweit Kaufkraft und stützen den Konsum. Zudem stabilisiert sich der Euro-Wechselkurs auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Das kann die schwächere Nachfrage aus Förderländern und aus China zumindest teilweise ausgleichen. Insgesamt sind die Sorgen um die Entwicklung der Auslandsnachfrage im Vergleich zu den letzten Jahren weiterhin hoch, entspannen sich aber zumindest gegenüber dem hohen Niveau vom Herbst 2015.

Delle vom Jahresende fast ausgebeult

Fast jeder dritte Exportbetrieb erwartet in den kommenden Monaten Zuwächse beim Auslandsgeschäft (32 Prozent). Mit einer gleich bleibenden Ausfuhrentwicklung rechnen 56 Prozent, lediglich zwölf Prozent stellen sich auf Rückgänge ein. Der resultierende Saldo von 20 Punkten weist damit für die kommenden Monate klar auf Zuwächse beim Export hin. Wachsende Ausfuhren stützen die Konjunktur auch 2016 – wie in 21 der letzten 22 Jahren.

Fraglich ist jedoch, inwieweit sie die Dynamik der Vorjahre erreichen. Im Herbst 2015 war der Saldo um fünf auf 16 Punkte abgerutscht, und tatsächlich fehlte den Exporten zum Jahresende der Schwung. Nun ist der Gutteil der Verschlechterung wettgemacht, der neue Saldo erreicht mit 20 Punkten fast wieder den langjährigen Durchschnitt seit 1992 von 21 Punkten. Zugleich sinkt der Anteil der Exportbetriebe, die Rückschläge bei der Auslandsnachfrage befürchten, wieder spürbar gegenüber dem Rekordwert der Vorumfrage (48 Punkte). Der Anteil von 44 Prozent liegt allerdings immer noch merklich über dem Schnitt seit erstmaliger Befragung vor sechs Jahren (39 Punkte). Die vielen internationalen Krisen machen den Unternehmen weiterhin Sorgen.

Alte Partner zurück zu alter Stärke

Als Stützen erweisen sich derzeit vor allem die traditionellen Handelspartner. Die EU und die USA nehmen wieder mehr als zwei Drittel der deutschen Exporte ab. Gerade in der Eurozone ernten einige Staaten die Früchte der Reformpolitik der letzten Jahre, gleichzeitig lässt der Konsolidierungsdruck nach. Hinzu kommt der schwache Euro: Er fördert den Export der Euro-Staaten und damit wiederum den Import von Vorleistungen – auch aus Deutschland. Außerdem verteuert er Importe aus Drittstaaten gegenüber Produkten aus dem gemeinsamen Währungsraum. Hinzu kommt, dass der neuerliche Rückgang der Ölpreise weltweit Kaufkraft schafft. Davon profitieren vor allem die Volkswirtschaften der Industrieländer und auch rohstoffarmer Länder wie beispielsweise Indien.

Sorgenkinder aus dem gröbsten raus?

Für eine Aufhellung beim Auslandsgeschäft spricht auch, dass sich die schwache Entwicklung der Nachfrage in Ländern wie China, Japan, Russland oder Brasilien sich zumindest nicht noch einmal im gleichen Ausmaß wie im letzten Jahr fortsetzen dürfte. China hat zudem den nötigen geld- und fiskalpolitischen Spielraum, um Rückschläge bei seinem ambitionierten Strukturwandel abzufedern – und nutzt ihn bereits.

Ölpreiseinbruch auch ein Krisenindikator

Für sich genommen hilft der Einbruch der Preise für Erdöl und andere Rohstoffe der deutschen Wirtschaft. Zunehmend werden aber auch Alarmzeichen sichtbar: So leidet die Nachfrage in den Förderländern, vielfach noch verschärft durch massive Währungsabwertungen. Dies gilt vor allem für Länder wie Russland oder Südamerika, die stark auf hohe Rohstoffpreise gesetzt haben und beim Aufbau weiterer moderner Industriezweige nicht ausreichend vorangekommen sind. Die arabischen Staaten haben zumindest Rücklagen aufgebaut, aus denen sie nun die Modernisierung ihrer Wirtschaft und Infrastruktur fortsetzen können.

  • Ein allzu niedriger Ölpreis entwertet Investitionen in Förderanlagen. Massive Abschreibungen und Insolvenzen könnten in der Folge auch am Finanzsektor nicht spurlos vorüber gehen und insgesamt die Finanzierung von Unternehmensinvestitionen in Mitleidenschaft ziehen.
  • Der Preisverfall auf breiter Front ist zunehmend auch Ausdruck einer schwachen Weltkonjunktur. Gerade im lange Zeit rohstoffhungrigen China schwächelt die Nachfrage – und zwar nicht nur nach Rohstoffen, sondern auch nach deutschen Waren. In einigen Branchen leiden deutsche Exporteure zudem direkt unter dem Preisverfall. So ist der Exportsaldo der Metallerzeuger mit acht Punkten einer der niedrigsten im Branchenvergleich, bei Unternehmen der „Gewinnung von Steinen und Erden / Bergbau“ liegt er sogar bei minus 28 Punkten.
  • Zudem sind die Anreize weiterer Effizienzanstrengungen derzeit gering. Dabei sind energie- und materialsparende Lösungen traditionell Stärken deutscher Hersteller.

Diese Trends setzen dem globalen Wachstum und damit auch dem deutschen Exportwachstum vorerst Grenzen.

 

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