„Wir wollen Spuren hinterlassen“ – Familien-Unternehmertag 2017

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Unsere Welt ist digitaler, vernetzter, transparenter. Industrie 4.0, Digitalisierung, Generation Y – diese Begriffe werden schon fast inflationär genutzt, wenn es um die Zukunft von Unternehmen geht. Auf dem diesjährigen Familien-Unternehmertag der Weissman Gruppe unter dem Motto „Lust auf Zukunft – was Familienunternehmen morgen können müssen“ zeigten Referenten aus verschiedenen Branchen, welche Auswirkungen diese technologischen und kulturellen Veränderungen auf Unternehmen haben und wie man ihnen begegnen kann.

„Die Digitalisierung hat eine brutale Transparenz der Preise und Leistungen bewirkt” – Dr. Jörg Ehmer, CEO bei Apollo-Optik, prophezeite diese Transparenz, die sich derzeit vor allem auf den B2C-Bereich konzentriert, auch für den B2B-Bereich. Aus seiner Sicht gilt es, beim Kunden eine extreme Begeisterung zu entfachen, sowohl beim digitalen als auch stationären Einkauf. Um die Kunden von morgen zu verstehen, benötigen Unternehmen auch Mitarbeiter, die der jungen Zielgruppe angehören, ihre Werte und Erwartungshaltung teilen und querdenken.

Erfolgsgeschichte FlixBus

Daniel Krauß, Mitbegründer von FlixBus, hat den Fernreiseverkehr revolutioniert. Innerhalb von drei Jahren hat sich das Start-up zum europäischen Marktführer entwickelt und fährt 1.000 Ziele in 22 Ländern an. Ein Ende der Erfolgsstory ist nicht in Sicht – weitere Kontinente werden folgen, in denen Busfahren grün und sexy werden soll. Das Geheimnis? Das Team tüftelt ständig an neuen Ideen, die die Busreise rundum zum Kundenerlebnis machen, vom Ticketkauf, über Echtzeitinformationen, kostenfreies WLAN im Bus und weitere smarte Services, bis zum freundlichen Busfahrer. „Nicht labern, sondern machen!”lautet das Credo des gebürtigen Franken, der seinen Job bei Microsoft aufgab, um die Welt grüner zu machen.

 

Umwälzungen wie bei der Industrialisierung

Prof. Peter May beleuchtete die Vielzahl von Veränderungen, welche die Digitale Revolution mit sich bringt – Internet, Globalisierung und Individualisierung. „Wir verhindern die Realität nicht, indem wir sie leugnen“, mahnte er und sagte voraus, dass „die Schmerzen der Geburt“ ähnlich groß sein würden wie bei der Industrialisierung. Letztlich bringe jedoch solch eine große gesellschaftliche Umwälzung auch gesellschaftlichen Wohlstand mit sich.

Bei allen Vorträgen und auch interaktiven Kamingesprächen wurde deutlich, dass Familienunternehmen den Herausforderungen, die mit der Digitalen Transformation einhergehen, am besten begegnen, indem sie inne halten, ihr Geschäftsmodell überprüfen und sich die Zeit nehmen, nicht nur im, sondern insbesondere am Unternehmen zu arbeiten. Die gegenwärtige immense Spannung zwischen Tradition und Innovation sollte nicht nur als Bedrohung, sondern als Chance für zukünftigen Erfolg wahrgenommen werden.

 

„Das wird eine große Reise”, stellte Jacob Fatih, Gründer der Fitnesskette FitX, fest. Den Teilnehmern empfahl er, an starke Ideen zu glauben, auch wenn sie im ersten Augenblick naiv erscheinen mögen. „Wir wollen in dieser Welt Spuren hinterlassen”, lautet das Motto des Mannes, der vor 18 Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam.

Wieviel Familie verträgt das Unternehmen?

Um die Spuren der Unternehmensnachfolger drehte sich die Podiumsdiskussion, bei der die Familien Weissman, Kobjoll und Zötler Einblicke in den Übergabeprozess in ihren Familienunternehmen gewährten. Moritz Weissman, der als geschäftsführender Gesellschafter die Geschicke der WeissmanGruppe von Prof. Arnold Weissman übernahm, ist überzeugt, dass Nachfolger Unternehmertum lernen und durch eine eigene Handschrift das Unternehmen erfolgreich prägen können. Klaus Kobjoll ließ Tochter Nicole zu Beginn ein eigenes Projekt im Hotel Schindlerhof umsetzen, bei dem er ihr völlig freie Hand ließ. Herbert und Niklas Zötler, die die älteste Familienbrauerei der Welt in der 20. bzw. 21. Generation führen, haben für die nächsten zehn Jahre gemeinsam eine Strategie entwickelt. Alle waren sich darin einig, dass bei der Unternehmensübergabe stets im Blick bleiben sollte: Wieviel Familie verträgt das Unternehmen und wieviel Unternehmen verträgt die Familie?

Die Gäste des Familien-Unternehmertags nahmen viele Impulse und Motivation mit, um Veränderungen anzustoßen und die Zukunft für sich zu gewinnen.

 

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