Zuversicht geht leicht zurück

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Darauf, dass der Aufwärtstrend in der deutschen Wirtschaft nach einem „goldenen Herbst“ etwas abflachen wird, deutet die jüngste Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hin. Auf ihrer Grundlage rechnet der DIHK für 2017 mit einem Wachstum von 1,2 Prozent.

 

 

„Die konjunkturelle Dynamik lässt nach“, bilanzierte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben die Ergebnisse der Untersuchung, die er am 20.10. gemeinsam mit dem DIHK-Konjunkturexperten Dirk Schlotböller in Berlin vorstellte. „Bislang haben uns Konsum und Bau bemerkenswert gut durch das Jahr getragen.“

Die Zuversicht für die weitere Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten gehe jedoch leicht zurück, berichtete Wansleben von der Erhebung, die auf mehr als 27.000 Unternehmensantworten basiert – und von den Gründen: „Weltweit fehlen noch immer Wachstumstreiber. Die Unternehmen drosseln ihre Exporterwartungen. Die Investitionen geben keinen wirklichen Impuls.“ Außerdem laufe das „Konjunktur-Doping“ durch Ölpreis und Wechselkurs aus. Und: „Interessanterweise spitzt sich der Fachkräftemangel weiter zu und ist aus Sicht der Betriebe mittlerweile das Top-Risiko.“

Bau boomt

Im Detail seien die Unternehmen im Herbst 2016 mit ihrer Geschäftslage noch zufriedener als im Frühsommer (Besser-schlechter-Saldo: 36 nach zuletzt 34 Punkten), fuhr der DIHK-Hauptgeschäftsführer fort. „Die wirtschaftliche Entwicklung hat uns erneut positiv überrascht und ist nun schon seit rund drei Jahren bemerkenswert stabil.“ Insbesondere der Bau boome; und die gute Beschäftigungssituation, steigende Löhne und auch höhere Sozialausgaben sorgten für eine starke Konsumkonjunktur, von der vor allem die Dienstleister profitierten.

„Aktuell erleben wir also noch einen goldenen Herbst“, so sein Resümee. Die Zuversicht der Unternehmen lasse aber in allen Wirtschaftszweigen nach, das zeige das Absinken der Geschäftserwartungen insgesamt von 12 auf nunmehr 9 Punkte. Dabei steige nicht die Zahl der Pessimisten, vielmehr gehe die der Optimisten leicht zurück, so Wansleben. „Unter dem Strich sprechen die Einschätzungen der Unternehmen für einen flacheren Aufwärtstrend.“

2017 Wachstum von 1,2 erwartet

Angesichts dieser Entwicklungen rechnet der DIHK für 2017 mit einem Wachstum von nur noch 1,2 Prozent – deutlich weniger als 2016. Der DIHK-Hauptgeschäftsführer verwies allerdings darauf, dass die Wirtschaft im laufenden Jahr mit 1,9 Prozent stärker wachse als noch Anfang 2016 gedacht. Positiv habe sich vor allem die Beschäftigung entwickelt – mit knapp 500.000 zusätzlichen Stellen. Für 2017 erwartet der DIHK ein Plus von 450.000.

Das Top-Risiko für die Unternehmen ist der aktuellen Umfrage zufolge der Fachkräftemangel: „Fast jeder zweite Betrieb sieht deswegen seine Geschäftsentwicklung beeinträchtigt“, sagte Wansleben. „Gesucht werden längst nicht nur Akademiker, sondern vor allem dual ausgebildete Fachkräfte und Azubis.“ Doch auch um die heimische Wirtschaftspolitik sorgen sich die Unternehmen. Sie nennen vor allem Bürokratielasten, Steuern und Abgaben, die Energiepolitik sowie mangelnde öffentliche Infrastrukturinvestitionen als Risikofaktoren.

 

 

 

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