Deutscher Mittelstand fordert strategische und eine Daten generierte Steuerberatung
Der Zukunftskompass 2026 der awicontax Steuerberatungsgruppe zeigt eine fundamentale Erwartungslücke zwischen Unternehmen und Steuerberatung. KI, Spezialisierung und Fachkräftemangel bestimmen die Zukunftsfähigkeit des Mittelstands. Derweil die Steuerberatungsbranche unter massivem Transformationsdruck steht.
Der deutsche Mittelstand befindet sich zu Beginn des Jahres 2026 in einer Phase wachsender wirtschaftlicher Anspannung. Steigende Finanzierungskosten, eine hohe regulatorische Verdichtung, die Einführung der verpflichtenden elektronischen Rechnung, zunehmende Bürokratiebelastungen und ein oft unzureichender Digitalisierungsgrad erschweren vielen Unternehmen den operativen Alltag. Parallel dazu nimmt die Unsicherheit über zukünftige Markt- und Branchenentwicklungen spürbar zu. In dieser Situation wächst der Bedarf an verlässlicher finanzieller Orientierung und belastbaren Entscheidungsgrundlagen, die Unternehmen helfen, Risiken besser einzuschätzen und Chancen frühzeitig zu erkennen.
Kann die Steuerberatung die wachsenden Erwartungen ihrer Mandanten erfüllen?
Genau hier setzt de neuen „awicontax Zukunftskompass 2026“, herausgegeben von der Steuerberatungsgruppe awicontax an. Die Studie zeigt, dass Steuerberater heute für viele mittelständische Unternehmen zu den wichtigsten externen Partnern zählen, die nicht nur steuerliche Pflichten erfüllen, sondern zunehmend eine Rolle bei strategischen Weichenstellungen übernehmen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Beratungsbranche selbst vor erheblichen Herausforderungen steht, da Digitalisierung, Fachkräftemangel und fehlende Spezialisierung die Leistungsfähigkeit vieler Kanzleien einschränken. Die Ergebnisse des Zukunftskompass machen damit sichtbar, wie stark die wirtschaftliche Stabilität des deutschen Mittelstands davon abhängt, ob die Steuerberatung diesen Wandel bewältigen und die wachsenden Erwartungen ihrer Mandanten erfüllen kann.
“Die Ergebnisse markieren einen Bruch mit dem traditionellen Rollenverständnis des Steuerberaters”
Der „awicontax Zukunftskompass 2026“ zeigt, dass der deutsche Mittelstand an einem entscheidenden Punkt der Transformation steht. Für die Studie wurden zwanzig Steuerberatungskanzleien in leitfadengestützten Interviews befragt und eine repräsentative Civey-Erhebung unter 1.500 mittelständischen Entscheiderinnen und Entscheidern durchgeführt. Die Studie offenbart, dass nahezu die Hälfte der Befragten ihren Steuerberater in erster Linie als Vertrauensperson begreift, während mehr als vierzig Prozent ihn als aktiven strategischen Partner erwarten, der Investitionen, digitale Transformationsprozesse und Zukunftsentscheidungen begleitet. Rund ein Drittel betrachtet den Berufsstand bereits als Teil der Unternehmensberatung. Diese Ergebnisse markieren einen Bruch mit dem traditionellen Rollenverständnis des Steuerberaters und zeigen, dass mittelständische Unternehmen längst einen qualitativen Rollenwandel vollzogen haben, den ein Großteil der Kanzleien nun aktiv mitgestalten muss.
Besonders deutlich wird dies im Bereich der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz. Während Unternehmen KI als gegenwärtiges Werkzeug zur Effizienzsteigerung und Risikoreduktion verstehen, befinden sich viele Kanzleien noch in einem heterogenen Umsetzungsstadium. Mehr als 36 Prozent der mittelständischen Entscheider erwarten von KI deutliche Kostensenkungen, knapp ein Drittel eine spürbare Beschleunigung von Abläufen, über ein Viertel eine höhere analytische Qualität und fast ein Viertel eine signifikante Reduktion menschlicher Fehler. Unternehmen betrachten diese Entwicklungen nicht als Zukunftsperspektive, sondern als konkreten Bestandteil moderner Steuerberatung. Die Studie zeigt jedoch, dass Kanzleien häufig noch mit fehlenden Schnittstellen, kulturellen Widerständen, komplexen Regularien und begrenzten IT-Kapazitäten kämpfen.
Verzögerungen, geringere Erreichbarkeit und eine sinkende Beratungsqualität drohen
Der Fachkräftemangel verstärkt diesen Druck erheblich. Mehr als 10.000 unbesetzte Stellen bedrohen die Stabilität der Beratungslandschaft. Knapp siebzig Prozent der Kanzleien berichten, dass sie offene Stellen nicht besetzen können und dies ihre Leistungsfähigkeit spürbar beeinträchtigt. Verzögerungen, geringere Erreichbarkeit und eine sinkende Beratungsqualität wirken sich unmittelbar auf mittelständische Unternehmen aus, die sich in Zeiten regulatorischer Verdichtung und wirtschaftlicher Unsicherheit verstärkt auf steuerliche Expertise verlassen.
Auch die Branchenspezialisierung erweist sich als kritischer Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Steuerberatung. Die höchsten Erwartungen finden sich in der IT-Branche, in der über 87 Prozent der Befragten auf branchenspezifisches Wissen setzen, gefolgt vom Gesundheitswesen mit knapp 79 Prozent und dem Franchise-Sektor mit rund achtzig Prozent. E-Commerce-Unternehmen betonen die Notwendigkeit integrierter digitaler Schnittstellen, während das Handwerk verstärkt Wert auf persönliche Beratung, Kontinuität und die Begleitung generationenübergreifender Entscheidungen legt. Die Studie macht deutlich, dass Spezialisierung weit über fachliche Tiefe hinausgeht und als Qualitätskriterium verstanden wird, das Vertrauen, Geschwindigkeit und Sicherheit schafft.
“Der Steuerberater muss heute mehr denn je ein Enabler sein, der „Daten in Entscheidungen übersetzt”

Heiko Geiger, Geschäftsführung der awicontaxGroup, betont, dass dieser Wandel nur durch ein neues Selbstverständnis der Steuerberatung gelingen kann. Der Steuerberater müsse heute mehr denn je “ein Enabler” sein, der „Daten in Entscheidungen übersetzt, Orientierung schafft und Unternehmen durch unsichere Zeiten navigiert“. Geschäftsführungs-Kollege Dr. Jürgen Karsten ergänzt, dass die Steuerberatung „den Schritt hin zur datengenerierten, technologiegestützten und empathischen Beratungsleistung aktiv vollziehen muss, um die Zukunftsfähigkeit der mittelständischen Wirtschaft zu stärken“. Beide unterstreichen, dass Digitalisierung, Spezialisierung und Beratungskultur nicht nebeneinanderstehen, sondern gemeinsam die Grundlage einer modernen Steuerberatung bilden.
Steuerberatung wird zu einem Wachstums- und Risikohebel des Mittelstands
Der Zukunftskompass 2026 zeigt damit ein klares Bild: Die Steuerberatung wird zunehmend zu einem strategischen Faktor wirtschaftlicher Resilienz. Mittelfristig wird nicht die Größe einer Kanzlei entscheidend sein, sondern ihre Fähigkeit, digitale Systeme, datenbasierte Methoden, branchenspezifische Expertise und eine klare kommunikative Haltung zu verbinden. Kanzleien, die diese Elemente integrieren, werden zu unverzichtbaren Partnern des Mittelstands und stärken dessen Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit.
Zusammengefasst ergibt sich aus der Analyse ein deutliches Bild: Steuerberatung wird zu einem Wachstums- und Risikohebel des Mittelstands. Digitalisierung, KI-Kompetenz, Spezialisierung und moderne Organisationsstrukturen bilden die Grundlage eines zukünftigen Beratungsmodells, das sowohl technologisch als auch kulturell neu gedacht werden muss.






















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