Zurück an die Spitze – Was unser Land jetzt braucht

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Angesichts wachsender Resignation braucht es einen mutigen Paradigmenwechsel und die Rückbesinnung auf alte Stärken. Deutschland kann durch Leistungswillen und klare politische Visionen den Weg aus der „Stillstandsrepublik“ zurück an die Weltspitze finden. Ein Plädoyer für Leistung, Sicherheit und echte Visionen in sechs Thesen.

von Professor Dr. Peter May

Vor einem Jahr habe ich ein Buch mit dem Titel „Eine Vision für Deutschland – Wie wir in die Erfolgsspur zurückfinden“ geschrieben und gemeinsam mit meinen Freunden von „Unternehmer in Bewegung“ herausgebracht. Vor einem Jahr haben wir auch eine neue Bundesregierung bekommen und hatten die große Hoffnung, dass sich unser Land verändern würde. Inzwischen wächst die Enttäuschung. Fragt man die Menschen, ist das Urteil überwiegend vernichtend: „Diese Regierung wird es nicht packen. Deutschland ist eine Stillstandsrepublik. Deutschland ist ein Land, das sich nicht verändern will und sich strukturell vielleicht auch gar nicht mehr verändern kann.“ So oder so ähnlich lautet der Tenor.

Wir, die „Unternehmer in Bewegung“ und ich, wir wollen das nicht akzeptieren. Weil in einer Welt, in der sich die anderen bewegen, Stillstand Rückschritt ist. Weil in einer Welt, die in Kategorien von Wohlstand denkt, Rückschritt immer auch Wohlstandsverlust bedeutet. Und weil eine Gesellschaft, die sich über die Verteilung von Wohlstand definiert, dauerhafter Wohlstandverlust zu gesellschaftlichen Zerreißproben führt, mit Folgen, die wir uns nicht ausmalen können und auch nicht ausmalen wollen.

Deshalb wollen wir etwas in Bewegung bringen. Wir wollen die Unternehmerinnen und Unternehmer in Bewegung bringen. Wir wollen die Politiker und Politikerinnen in Bewegung bringen. Wir wollen die Menschen in Bewegung bringen und wir wollen dieses Land wieder in Bewegung bringen.

Dazu, wie dies gelingen kann, möchte ich im Folgenden sechs kurze Thesen vorstellen:

Erste These:
Wer Menschen in Bewegung bringen will, braucht ein begeisterndes Leitmotiv, ein begeisterndes Narrativ

Das wirtschaftlich und moralisch zerstörte westliche Deutschland nach 1945 hatte ein solches Motiv. Es wollte den Wohlstand für seine Bürger und die Achtung der Welt durch Leistung zurückgewinnen. Es wollte leisten und es wollte, dass Leisten sich lohnt – nicht nur für einige wenige, sondern für alle.

Und das hat funktioniert. Das westliche Deutschland der Nachkriegszeit wurde Fußballweltmeister, Bildungsweltmeister, Exportweltmeister, Heimat des German Mittelstandes, der Hidden Champions, des „Made in Germany“ und vieles andere mehr. Der Wohlstand wuchs, die gesellschaftliche Mitte auch und mit ihr die Zufriedenheit der Menschen mit ihrer Situation und der Stolz auf ihr Land.

Deshalb sage ich es klar und deutlich: Wenn wir die Menschen in unserem Land in Bewegung bringen wollen, müssen wir unser Land wieder an die Spitze bringen. Abstieg und Mittelmaß hält das Selbstverständnis der Nachkriegsdeutschen nicht aus.

Zweite These:
Veränderungen in der Gesellschaft bewirkt man nicht allein mit Gesetzen und Verordnungen. Veränderungen bewirkt man dadurch, dass man Haltungen verändert

Der Erfolg der Nachkriegszeit hatte viel mit Haltung zu tun. Und auch der Niedergang der letzten 20 Jahre ist das Ergebnis einer Haltungsänderung. Wir wollten uns nicht mehr anstrengen. Wir wollten nicht mehr in die Zukunft investieren. Wir wollten nicht mehr leisten, sondern es uns im Hier und Jetzt gemütlich machen und unseren Erfolg genießen. Wenn wir wieder Spitze werden wollen, müssen wir diese Haltung verändern.

Dritte These:
Wir müssen wieder gewinnen wollen

Leistung ist geil. Es macht Spaß, sich anzustrengen, und es lohnt sich, zu gewinnen. Die Welt ist kein Ponyhof, sondern eine Arena. „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Das hat zuletzt Gerhard Schröder in dieser Klarheit ausgesprochen. Diese Haltung müssen wir wieder in unser Land tragen. In unsere Kitas, in unsere Schulen, unsere Ausbildungsstätten und unsere Hochschulen, in unsere Betriebe und auch in unsere Verwaltungen, auf unsere Marktplätze und in unsere Sportvereine.

Vierte These:
Wir müssen den Menschen die drei Grundsicherheiten zurückgeben

Menschen schließen sich zu Gemeinschaften zusammen, weil sie von der Gemeinschaft eine Sicherheit haben wollen, die sie sich alleine nicht geben können, und zwar insbesondere:

  • Sicherheit gegen Übergriffe von außen (äußere Sicherheit)
  • Sicherheit gegen Übergriffe von innen (innere Sicherheit)
  • Wirtschaftliche Sicherheit, das heißt die Möglichkeit zur Verbesserung der eigenen Lebenssituation und Schutz gegen elementare Lebensrisiken.

Und jetzt stelle ich eine provokativ-rhetorische Frage in den Raum: Was ist in den letzten 20 Jahren mit diesen drei Grundsicherheiten passiert? Wo hat sich die Situation der Menschen verbessert? Wo hat sie sich verschlechtert? Und ich schiebe nach: Wo würde ich ansetzen, wenn ich politische Verantwortung trüge und das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen wollte?

Fünfte These:
Wir müssen die Leistungsträger zurückgewinnen

Es ist eine Binse: Wahlen werden in der Mitte gewonnen, mal ein bisschen links davon, mal ein bisschen rechts davon. Und in dieser Mitte sitzen die Leistungsträger unserer Gesellschaft. Diejenigen Menschen, die in die Gemeinschaft mehr eingeben, als sie aus ihr herausbekommen wollen. Diejenigen, die den Laden am Laufen halten: die Unternehmer, die Selbstständigen, die Facharbeiter, die Ehrenamtlichen; all die Menschen, die leisten wollen und leisten können mit und ohne Migrationshintergrund.

Eine Vision für Deutschlands Zukunft: Das Buch von Peter May steht hier zum kostenfreien Download zur Verfügung

Und es wäre verdammt klug, die Politik an diesen Menschen in der Mitte unserer Gesellschaft auszurichten. Nicht nur, um Wahlen zu gewinnen, sondern auch wegen einer simplen ökonomischen Wirkung: Je besser es den Menschen in der Mitte geht, und je mehr Menschen zu dieser Mitte gehören, desto mehr Geld nimmt der Staat ein, um das Leben der Menschen weiter zu verbessern und zwar ganz ohne Steuererhöhungen.

Und erneut stelle ich die zwei provkativ-rhetorischen Fragen: Was haben wir in den vergangenen 20 Jahren mit unserer Mittelschicht gemacht? Wo hat sich ihre Situation verbessert, wo hat sie sich verschlechtert? Und: Was würde ich tun, wenn ich politische Verantwortung tragen würde und das Vertrauen dieser Menschen zurückgewinnen wollte? Wäre es nicht an der Zeit, dass sich die beiden Regierungsparteien auf die Menschen zurückbesinnen, die sie einst an die Macht und unser Land an die Spitze gebracht haben?

Sechste These:
Es muss Schluss sein mit Gezänk, mit Klein-Klein, mit Verzagtheit und Selbstverzwergung. Unser Land braucht einen großen politischen Wurf, einen Paradigmenwechsel

Es braucht eine Vision, ein Zukunftsbild davon, wie unser Land in zehn Jahren sein kann und sein soll. Und es braucht ein Gesamtpaket der Maßnahmen, die notwendig sind, um dort hinzukommen, versehen mit einem ambitionierten und realistischen Zeitplan, was wann beschlossen und umgesetzt wird. Es braucht Beiträge von allen – von den Unternehmern ebenso wie von den Leistungsempfängern. Und es muss klar werden, dass die zu erwartenden Opfer und die Gewinne fair und ausgewogen verteilt werden.

Ein solcher Masterplan müsste zunächst in seiner Gänze entwickelt, sodann gut kommuniziert und anschließend konsequent umgesetzt werden. Ich glaube, die Menschen in unserem Land warten darauf. Und ich will nicht glauben, dass es keine politische Konstellation gibt, die so etwas hinbekommt.

Mein Vater hat mir als kleiner Junge einmal den Unterschied zwischen Politikern und Staatsmännern erklärt. Er sagte: „Politiker denken an ihre Karriere, Staatsmänner denken an ihr Land.“ In diesem Sinne wünsche ich unserem Land wieder mehr Staatsmänner und Staatsfrauen. Und ich wünsche mir mehr Unternehmer, die neben der Verantwortung für ihre Unternehmen auch eine gesellschaftliche Verantwortung für ihr Land verspüren und mehr Menschen, die neben ihren Individualinteressen auch ihren Gemeinsinn entdecken.

Auf geht’s!

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