Wenn Reisstroh-Abfall zum Klimaschutz-Investment wird

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Ein deutscher Klima-Projektfinanzierer mit Sitz in Berlin wandelt in einem Projekt in Thailand landwirtschaftliche Abfälle in dauerhaften Klimaschutz um. Durch die Produktion von Biokohle soll die Luftverschmutzung gesenkt, den Bauern ein zusätzliches Einkommen gesichert und dem globalen CO₂-Markt anerkannte CO₂-Zertifikate zugeführt werden.

Jedes Jahr hüllt nach der Reisernte dicker, grauer Rauch weite Teile Thailands ein. Grund dafür ist, dass Millionen Tonnen Reisstroh von Landwirten auf ihren Feldern verbrannt wird, um die Felder zu räumen. Das Problem: Der Rauch belastet die öffentliche Gesundheit und beschleunigt gleichzeitig den Klimawandel. Doch in der Provinz Nakhon Sawan wird nun ein neuer Weg beschritten.

Wende in der Reisproduktion: Partnerschaft für Biokohle

Mitte Januar 2026 initiierte Planet2050 zusammen mit seinen Partnern – Enable Earth, der thailändischen Landwirtschaftsbehörde und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Thailand – einen Workshop für lokale Farmer. Insgesamt 40 Teilnehmer konnten sich davon überzeugen, dass Reisstroh kein Abfall, sondern ein wichtiger Lieferant für wertvolle Biokohle ist. Diese bietet eine umwelt- und gesundheitsschonende Alternative zur bisherigen Verbrennung.

Wenn thailändische Bauern Reisstroh verbrennen, wird CO₂ in dichten Rauchschwaden freigesetzt (Bild: .Bangkok Post

Die Wirkung von Biokohle: Dauerhafte CO2-Entfernung

Biokohle entsteht durch ein spezielles Verfahren namens Pyrolyse. Dabei werden organische Abfälle – zum Beispiel Pflanzenreste – stark erhitzt, jedoch ohne Sauerstoff. Der große Unterschied zur normalen Verbrennung (etwa dem Abbrennen von Reisstroh) liegt darin, dass der enthaltene Kohlenstoff nicht sofort als CO₂ in die Atmosphäre gelangt. Stattdessen wird er in eine besonders stabile Form umgewandelt, in Biokohle.

Wird Biokohle anschließend im Boden eingesetzt, bleibt dieser Kohlenstoff (CO2) dort über viele hundert Jahre gespeichert. Auf diese Weise trägt Biokohle nachweislich dazu bei, CO₂ dauerhaft aus dem Kreislauf der Atmosphäre zu entfernen – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz durch Carbon Dioxide Removal (CDR).

Vierfacher Gewinn: Einkommen, Klimaschutz, Gesundheit, Bodenverbesserung

Das Projekt verspricht einen vierfachen Nutzen für die lokale Gemeinschaft und das Klima:

  1. Einkommen: Die Landwirte erhalten durch den Verkauf von Reisstroh, das zu zertifizierter Biokohle verarbeitet wird, ein festes Zusatzeinkommen.
  2. Klimaschutz: CO₂ wird langfristig gebunden und nicht durch Verbrennung in die Atmosphäre freigesetzt.
  3. Gesundheit: Die gefährliche Luftverschmutzung durch Feinstaub wird reduziert.
  4. Bodenverbesserung: Biokohle wirkt im Boden wie ein Schwamm, verbessert die Nährstoff- und Wasserspeicherung und senkt so den Bedarf an chemischem Dünger.

Lokale Akteure geschult

Lucas Zaehringer, CEO von Planet2050, und Pasinee Tangsuriyapaisan, Gründerin von Enable Earth, präsentierten die Chancen von Biokohle und CO₂-Entnahme – sog. Carbon Removals (Bild: GIZ)

Das Pilotprojekt fand in Zentralthailand statt. Dort wurden Vertreter und Führungskräfte landwirtschaftlicher Genossenschaften und Universitäten im Bau und der Nutzung von Niedertemperatur-Pyrolyseöfen geschult. Für die Demonstration wurde eine einfache, handwerklich gefertigte Pyrolyse-Ausrüstung eingesetzt. Des Weiteren erfolgte eine Schulung der Landwirte, wie sie Biokohle mit Nährstoffen anreichern und als Dünger, gemischt mit Kompost oder Mist, aufbereiten können.

Lisa Faust von der GIZ, Projektleiterin der ‘Biomasse zu Energy’-Komponente der Thai-Deutschen Zusammenarbeit zu Energie, Verkehr und Klimaschutz (TGC-EMC), schloss den Workshoptag in Nakhon Sawan ab. Sie betonte: „Wenn unsere Biokohle-Pilotprojekte aus Reisstroh erfolgreich sind, könnte dies für viele Länder in der Region ein echter Wendepunkt sein. Dann hätten Landwirte einen starken Anreiz, ihre derzeitigen Praktiken grundlegend zu verändern.”

Lisa Faust von GIZ Thailand schließt den Workshoptag in Nakhon Sawan vor Teilnehmern aus landwirtschaftlichen Genossenschaften, Universitäten und Vertretern der Verwaltung ab (Bild: GIZ )

Der Klimaprojekt-Finanzierer Planet2050 fungiert als Co-Initiator des Workshops, ist finanzieller Unterstützer des Projektes und gleichzeitig zukünftiger Abnehmer für hochwertige CO₂-Entnahme-Zertifikate (CDR) aus Biokohle, die dann dem globalen CO₂-Markt zum Verkauf zuführt. Im nächsten Schritt wird eine erweiterte Pilotphase durchgeführt, bevor ein industriell skalierbares Projekt zusammen mit lokalen Carbon-Projektentwicklern und Implementierungs-Partnern gestartet wird.

Ambitionierte Ziele: Vom Rauch zum CO2-Zertifikat

Die lokale Zielsetzung ist hoch gesteckt: Nakhon Sawan ist die Provinz mit dem höchsten Anteil an verbrannten landwirtschaftlichen Reststoffen. Schätzungsweise 500.000 Tonnen Reisstroh fallen dort pro Jahr an und werden verbrannt. Dies entspricht einer Freisetzung von ca. 800.000 Tonnen CO₂ – ein enormes CO₂-Reduktionspotenzial, das nun durch eine wohl überlegte Investmentstrategie erschlossen wird.

Lucas Zaehringer, CEO von Planet2050, betont die Notwendigkeit des Wandels: „Die derzeit praktizierte Verbrennung von Reisstroh mit starker Rauchentwicklung und der damit verbundenen klima- und gesundheitsschädlichen Freisetzung von CO₂ ist immens. Umso wichtiger ist es, dass Planet2050 zusammen mit seinen lokalen Partnern durch Aufklärung und Technologietransfer das Problem aufzeigt und Landwirte zu Lösungen befähigt.”

Obwohl die Regierung mit Subventionskürzungen bei Verbrennung droht, fehle den Bauern oftmals eine wirtschaftlich tragfähige Alternative, da das Sammeln, der Transport und die Lagerung von Reisstroh hohe Kosten verursachten und der lokale Markt für andere Biomasseprodukte begrenzt sei.

„Der erste und entscheidende Schritt ist die Erkenntnis: Reisstroh ist kein Abfall, sondern ein unerschlossenes Wirtschaftsgut und eine solide Wertanlage“, so Zaehringer weiter. Durch das moderne Pyrolyseverfahren wird Biomasse in hochwertige Biokohle umgewandelt. Biokohle verbessert nachweislich die Bodenqualität, erzeugt eine dauerhafte CO₂-Bindung (Carbon Removal) und sichert den Landwirten ein stabiles Zusatzeinkommen aus dem Strohverkauf. “Die Einnahmen aus den anschließend zertifizierten Kohlenstoff-Gutschriften helfen der ganzen Gemeinschaft und fördern die Provinz.Mit dem geplanten Börsengang im dritten Quartal 2026 will Planet2050 weiter wachsen und seine Klima-Projekte international skalieren. Für Zaehringer ist klar: „Was in Nakhon Sawan beginnt, kann Vorbild für viele Regionen sein, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.“

Quelle: TheCharMaker
Wertvolle Biokohle, entstanden aus Reisstroh-Abfall

Zugang zu CO₂-Entnahmeprojekten für ein breiteres Publikum

Für den globalen CO₂-Markt spielen Klima-Projekte wie die Nutzung von Biokohle aus Agrarabfällen eine zunehmende Rolle beim Umgang mit Rest-Emissionen in schwer reduzierbaren Sektoren wie Luftfahrt oder Schwerindustrie. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, die Finanzierung solcher Projekte in ausreichendem Umfang zu ermöglichen und ihre Skalierung organisatorisch und technologisch umzusetzen. Hier setzt Planet2050 mit einem Fokus auf frühphasige Klimafinanzierung an.

„Wir möchten hochwertige Projekte zur Kohlenstoffentfernung sowohl für große Institutionen als auch für ein breiteres Publikum zugänglich machen“, sagt Lucas Zaehringer, CEO von Planet2050. Es existieren bereits zahlreiche überzeugende Konzepte zur CO₂-Entnahme, der Engpass liegt aber meistens in der Bereitstellung der nötigen Mittel in einem frühen Projektstadium. Planet2050 hat deshalb für das Jahr 2026 vor sich an der Börse listen zu lassen, um über Kapitalaufnahme hochwertige CO₂-Entnahmeprojekte in unterschiedlichen Regionen, etwa in Thailand oder Europa, strukturierter unterstützen zu können.

Jede Tonne Biokohle, mit der Planet2050 arbeitet, soll definierten Qualitäts- und Zertifizierungsstandards entsprechen. Ein digitaler Kohlenstoff-Pass dokumentiert die wesentlichen Schritte: von der Herkunft der eingesetzten Biomasse über die Verarbeitung bis hin zu Verfahren, die eine möglichst langfristige Speicherung des gebundenen CO₂ im Boden anstreben.

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Planet2050 ist ein Finanzierungsunternehmen für Klimaprojekte, das Kapital für hochwertige CO₂-Entfernungs- und Emissionsreduktionsprojekte bereitstellt. Mit sogenannten Carbon Streaming Agreements, technischem Know-how und enger Zusammenarbeit mit Projektentwicklern unterstützt Planet2050 Projekte, die CO₂ entweder dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen oder effektiv vermeiden. Das Unternehmen investiert in messbare und zertifizierbare Klimaprojekte mit hoher Wirkung, fördert technologische Innovationen und öffnet den Emissionsmarkt für institutionelle und private Investoren. www.planet2050.earth/de

Bild oben: GIZ Ein deutsch/thailändisches Projekt: Reisstroh-Abfall wird zur Millionen-Investition

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