Bodrum kann jetzt auch Weltklasse

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Bodrum war lange der Sommerort für jene, die Mykonos zu laut, Ibiza zu unerquicklich und die Côte d’Azur im August für praktisch unbewohnbar hielten. Schön war es hier schon immer. Auch mondän. Aber eben eher türkisch-mediterran mondän, nicht global. Das ändert sich gerade./ Rubrik Stilvoll reisen

Die türkische Riviera hat in den letzten Jahren erkennbar aufgerüstet. Mehr Design, mehr internationale Namen, mehr Yachten, mehr modisches Publikum. Vor allem aber: mehr Selbstbewusstsein. Man will nicht mehr die günstigere Alternative zu Griechenland, Südfrankreich oder Sardinien sein, sondern eine eigene Liga besetzen. Das klingt vor allem nach Marketing, funktioniert im Fall des Maxx Royal Bodrum, das wir kürzlich besucht haben, aber erstaunlich gut.

Eine Bucht wie ein Amphitheater

Schon die Lage des Maxx Royal hat etwas von einer kleinen Machtdemonstration. Eine private Bucht, terrassenförmig in den Hang gebaut, sodass sich das ganze Resort zum Wasser hin öffnet. Meerblick ist hier keine Zimmerkategorie, sondern ein Grundrecht.

Das Entscheidende daran ist nicht nur die Aussicht, sondern die Wirkung. Obwohl die Anlage groß ist, fühlt sie sich nicht nach Massenunterkunft an. Dafür sorgen die vielen Ebenen, Wege, Gärten, Rückzugsorte, Terrassen und separat liegenden Bereiche. Man ist hier nicht Teil eines Hotelbetriebs, sondern bewegt sich eher durch eine kleine, sehr gut organisierte Ferienwelt. Eine mit erstaunlich viel Platz.

Eine der Suiten im Maxx Royal Bodrum

XXL statt Enge

Die Zimmer und Suiten sind wirklich groß, viele davon fast schon kleine Apartments. Dazu kommen private Bereiche, Villen, Swim-up- und Lagoon-Konzepte, Terrassen und Pools, die dieses Gefühl verstärken, eben nicht in einem klassischen Urlaubshotel zu wohnen.

Auch Familien werden das schnell zu schätzen wissen. Viele Hotels behaupten familienfreundlich zu sein und meinen damit zwei Hochstühle, ein Planschbecken und eine Dame mit Glitzerstiften. Das Maxx Royal Bodrum geht einen anderen Weg. Der Kids Club ist so groß dimensioniert, dass man fast von einer eigenen kleinen Welt sprechen kann. Das ist für Eltern die gute Nachricht und für Kinder ohnehin.

Vor allem aber löst das Resort damit einen Widerspruch, an dem viele andere Häuser scheitern. Es ist gleichzeitig modisch und familientauglich. Das eine geht hier nicht auf Kosten des anderen. Während die Kinder beschäftigt sind, sitzen die Eltern nicht automatisch in irgendeiner pädagogisch ambitionierten Familienzone fest, sondern können am Pool, am Beach, im Spa oder bei Lunch und Dinner sehr erwachsen Urlaub machen.

Das klingt banal, ist es aber nicht. Gerade in Europa gibt es nur wenige Resorts, die beides wirklich beherrschen: Familien ernst nehmen, ohne dabei den gesamten Ort in eine überdimensionierte Kindergeburtstagskulisse zu verwandeln.

Ein Blick in den Super Size Kids Club

All Inclusive, nur endlich einmal nicht unerquicklich

Nun zum vielleicht größten Kunststück des Hauses. „All Inclusive“ ist im Deutschen ja ein schwer beschädigter Begriff. Man denkt an Buffets unter Wärmelampen, an Armbänder, an Schlangestehen, an Cocktails in Farben, die in der Natur nicht vorkommen. Kurzum: an Versorgung, nicht an Genuss.

Das Maxx Royal Bodrum versucht, diese Begrifflichkeit umzudrehen. Und zwar nicht, indem man dasselbe Produkt einfach hochwertiger anrichtet, sondern indem man das gastronomische Konzept vollständig neu aufzieht. Hier isst man eben nicht, weil es im Paket enthalten ist. Sondern weil es tatsächlich gut ist. Das beginnt schon damit, dass man nicht nur Hotelrestaurants betreibt, sondern mit Namen arbeitet, die auch außerhalb von Resorts einen Klang haben. Weltbekannte Restaurantkonzepte, Celebrity Chefs. Das erzeugt eine andere Erwartungshaltung aber zwingt das Haus zugleich, das Niveau zu halten. Denn wann hat man zuletzt ein All-inclusive-Resort gesehen, das gleichzeitig mit Wolfgang Puck, der Pariser Institution Caviar Kaspia und dem längst zum Kult avancierten Scorpios-Konzept operiert? Spago bringt jene kalifornisch-mediterrane Lässigkeit ein, für die Wolfgang Puck seit Jahrzehnten steht. Caviar Kaspia liefert den mondänen Pariser Glamour. Und Scorpios – ursprünglich von Mykonos bekannt – sorgt für jene  Mischung aus Beach Club, Musik, Boho-Ästhetik und Sonnenuntergangsritual, die man andernorts mühsam zusammensuchen müsste.

Besonders charmant: die Dependance von Caviar Kaspia aus Paris

Eine junge, modische Crowd

Hinzu kommt das Publikum. Auch das ist ein nicht zu unterschätzender Teil eines jeden Urlaubserlebnisses. Das Maxx Royal Bodrum zieht sichtbar eine jüngere, modernere und stilistisch präsentere Klientel an. Viel Beachwear, viel Understatement, gute Taschen, gute Sonnenbrillen, durchtrainierte Gelassenheit. Erfreulicherweise ohne jenes aggressive Zurschaustellen von Reichtum, das andere Orte schnell unerträglich macht. Vielleicht liegt das an Bodrum selbst. Vielleicht daran, dass das Publikum internationaler geworden ist. Vielleicht auch daran, dass modischer Luxus heute anders auftritt als noch vor zehn Jahren. Weniger Pose, mehr Selbstverständlichkeit. Man sieht hier Menschen, die offenkundig Wert auf Stil legen, aber nicht so wirken wollen, als seien sie eigens dafür angereist.

Villen mit privatem Pool im Maxx Royal Bodrum

Viel Privatheit, wenig Vorführung

Überhaupt ist das vermutlich die eigentliche Qualität dieses Resorts: Es ist luxuriös, aber nicht schwer. Groß, aber nicht anonym. Familienfreundlich, aber nicht kindisch. Modisch, aber nicht hysterisch. Und selbst dort, wo es sich natürlich inszeniert, kippt es nicht in jene Form von Überdekoriertheit, die einen nach zwei Tagen ermüdet.

Beach Club im Maxx Royal Bodrum

Gerade die vielen privaten Bereiche, die großzügigen Zimmer, die Weitläufigkeit und die unterschiedlichen Zonen der Anlage sorgen dafür, dass man anderen Gästen zwar begegnet, aber nicht dauernd ausgesetzt ist.

Bodrum will nach oben

Vielleicht ist das Haus deshalb auch mehr als nur ein neues Luxusresort. Es steht für einen Ortswechsel im Mittelmeer. Bodrum rückt auf. Nicht langsam, sondern mit Tempo. Die großen Namen sind da oder kommen. Die Infrastruktur zieht mit. Die Hotellerie wird ehrgeiziger. Und die Klientel folgt ohnehin schnell, sobald sie merkt, dass man in einer Saison noch vor allen anderen am richtigen Ort war.

Wer also sehen will, wie sich ein Ferienziel neu erfindet, kann das derzeit in Bodrum tun. Und wer wissen möchte, wie All Inclusive klingt, wenn man den Begriff einmal von allem Ballermann-Elend, Buffettrauma und Plastikarmband befreit, der schaut sich dieses Resort an.

Was sonst noch los ist

Das Restaurant Tuğra im Çırağan Palace Kempinski, der Grande Dame am Bosporus

Wer es etwas stiller mag, architektonisch noch einen Tick strenger, zenhafter und insgesamt mehr bei sich selbst bleiben will, der fährt einfach eine Bucht weiter ins Mandarin Oriental Bodrum, über das wir hier im vergangenen Jahr bereits geschrieben haben: Paradise Bay, viel Ruhe, zwei Privatstrände, sehr viel Gelassenheit. Was das Bulgari in der übernächsten Bucht einmal daraus machen wird, lässt sich derzeit noch nicht seriös sagen; fest steht nur, dass das Bvlgari Resort Bodrum offiziell erst für 2027 angekündigt ist und als nächste große Luxusadresse auf der Halbinsel in Stellung gebracht wird. Bodrum arbeitet also weiter ziemlich entschlossen an seinem Jet-Set-Status.

Entlang des Weges

Am Rückweg nach Deutschland legten wir noch einen Stopp in Istanbul ein, der sich im Grunde schon für einen einzigen Abend lohnt. Genauer gesagt: für ein Abendessen im Çırağan Palace Kempinski, der Grande Dame am Bosporus. Allein die Lage hat jene Unverschämtheit, die große Adelspaläste eben brauchen: direkt am Wasser, mit Blick auf eine der schönsten Kulissen der Welt. Und dann das Tuğra. Ein Restaurant, das regelmäßig im Guide Michelin geführt wird und von Gault&Millau Türkiye mit drei Hauben in der Kategorie „Outstanding Tables“ ausgezeichnet wurde. Kulinarisch ist das klassische osmanisch-türkische Küche auf höchstem Niveau. Der eigentliche Luxus aber sitzt, wie so oft, nicht nur auf dem Teller, sondern draußen vor den Fenstern: dieser Bosporusblick, für den man andernorts ein ganzes Restaurant bauen würde.

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