Ein Jahrhundert der Raketenwissenschaft
Vor genau hundert Jahren startete Robert H. Goddard eine Rakete, die den Beginn der modernen Raketentechnik markierte. Revolutionär war nicht die Höhe oder die Entfernung ihres Fluges.
Von Dr. Dr. Rainer Zitelmann
Robert H. Goddard gelang am 16. März 1926 der erste Start einer Flüssigtreibstoffrakete. Sie stieg nur etwa 12 Meter hoch, legte ungefähr 56 Meter zurück und blieb lediglich 2,5 Sekunden in der Luft. Doch die eigentliche Revolution bestand darin, dass es die erste erfolgreich gestartete Rakete mit Flüssigtreibstoff war.
Bis dahin wurden für Raketen feste Treibstoffe verwendet, die nicht effizienter waren als jene, die schon die Chinesen tausend Jahre zuvor verwendet hatten. Einmal gezündet, konnten feste Treibstoffe nicht abgeschaltet werden, und ihr spezifischer Impuls war gering. Durch die Verwendung von unter Druck stehendem flüssigem Sauerstoff und Benzin gelang es Goddard, deutlich leistungsfähigere und besser steuerbare Raketentriebwerke zu entwickeln.
Goddards Arbeit wurde zunächst verspottet
Der Apollo-Chefingenieur Wernher von Braun sagte: „In der Geschichte der Raketentechnik gibt es keinen, der mit Dr. Robert H. Goddard vergleichbar wäre. Er war der Pionier und allen anderen voraus beim Entwurf, Bau und Start von Flüssigtreibstoffraketen, die schließlich den Weg in den Weltraum öffneten.“
Doch Goddards Arbeit wurde zunächst vielfach verspottet. Die New York Times schrieb im Januar 1920: „Zu behaupten, Professor Goddard, mit seinem Lehrstuhl am Clark College und mit der Unterstützung der Smithsonian Institution, kenne die Beziehung von Aktion und Reaktion nicht und wisse nicht, dass man etwas Besseres als ein Vakuum brauche, gegen das man reagieren kann – das wäre absurd. Natürlich scheint ihm nur das Wissen zu fehlen, das täglich in den High Schools vermittelt wird.“ Erst am 17. Juli 1969, einen Tag nach dem Start der ersten bemannten Mission zum Mond, veröffentlichte die Zeitung eine Korrektur und erklärte: „Die Times bedauert den Fehler.“
Pionier privat finanzierter Raumfahrt
Nach Goddards Tod im Jahr 1945 verbrachte seine Witwe Esther Goddard viele Jahre damit, für die Anerkennung seiner Arbeit zu kämpfen und rechtliche Ansprüche gegen die US-Regierung wegen der unerlaubten Nutzung seiner patentierten Erfindungen geltend zu machen. Sie argumentierte, dass zentrale Elemente von Goddards Raketentechnologie ohne Genehmigung in militärische Programme übernommen worden seien. Die Regierung einigte sich 1960 auf einen Vergleich und zahlte eine Million Dollar wegen der Verletzung mehrerer seiner Raketenpatente.
Goddard war auch ein Pionier privat finanzierter Raumfahrt. Etwa zwei Drittel seiner Gelder stammten aus privaten Quellen, vor allem von der Guggenheim Foundation. Alexander MacDonald, ehemaliger Chefökonom der NASA schreibt, dass dies „in der breiteren Erzählung der Raumfahrtgeschichte, mit ihrem Fokus auf das staatlich finanzierte Weltraumrennen, noch nicht vollständig berücksichtigt wurde.“
Die Menschheit auf dem Weg zu einer interplanetaren Spezies
Als Visionär des Raumfahrtzeitalters sah Goddard – ähnlich wie heute Elon Musk und andere – eine Zukunft voraus, in der die Menschheit zu einer interplanetaren Spezies wird. Im Alter von 31 Jahren schrieb er: „Die Menschheit wird lernen müssen, im interplanetaren Raum zu navigieren, wenn sie überleben will. Denn wenn wir davon ausgehen, dass die Evolution im Menschen ihren höchsten Stand erreicht hat, dann müssen die Bewahrung des Lebens und sein Fortschreiten das wichtigste Ziel der Menschheit sein – und ihr Untergang die schlimmste aller Katastrophen.“
Zwanzig Jahre nach Goddards Tod erklärte Präsident Lyndon B. Johnson den 16. März 1965 zum „Goddard Day“, um an den 16. März 1926 zu erinnern – den Tag, an dem Goddard die erste Rakete mit Flüssigtreibstoff der Welt startete.
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Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Historiker – und war auch als Unternehmer und Investor erfolgreich. Er hat 31 Bücher geschrieben und herausgegeben, die in über 35 Sprachen übersetzt wurden (“Weltreise eines Kapitalisten“, “Warum Entwicklungshilfe nichts bringt und wie Länder Armut wirklich besiegen“, “Die 10 Irrtümer der Antikapitalisten“) und jüngst auch des Anti-Woke Romans „2075. Wenn Schönheit zum Verbrechen wird“. Sein neuestes Buch ist „Weltraumkapitalismus“.
Der Artikel erschien zuerst im „Wall Street Journal“























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