Nicht jedes Geld wiegt gleich: Warum die Herkunft des Vermögens die Risikofreude bestimmt

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Eine neue Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management belegt, dass Geld psychologisch nicht gleich Geld ist: Je nachdem, ob Kapital geerbt, hart erarbeitet oder aus einer Unternehmensnachfolge stammt, unterscheidet sich die Risikobereitschaft privater Investoren fundamental.

In der Finanztheorie ist jeder Euro austauschbar, doch in den Köpfen vermögender Anleger existieren strikt getrennte „mentale Konten“Die Forscherinnen Professor Dr. Nadine Kammerlander und Sonia Mair und  zeigen auf, dass klassische Risikoprofile oft zu kurz greifen, da sie die emotionale Prägung der Geldquelle ignorieren. Die Untersuchung deutscher Unternehmer und Investoren macht deutlich: Die Herkunft des Kapitals ist ein entscheidender Hebel für das Anlageverhalten. Während die Höhe des Vermögens oft als Maßstab dient, ist es die „Geldbiografie“, die darüber entscheidet, wie viel Wagnis sich ein Investor subjektiv zutraut.

Vorsicht bei Familienkapital – Wagemut bei Erbschaften

Besonders deutlich wird dieser Effekt bei Vermögen aus der Nachfolge in Familienunternehmen: Hier zeigt sich eine signifikant geringere Risikoneigung. Dieses Geld wird nicht als reines Finanzkapital, sondern als „Verantwortungsvermögen“ wahrgenommen, das Tradition, Reputation und Arbeitsplätze sichern soll. Ähnlich verhält es sich bei laufendem Erwerbseinkommen: Da es direkt mit eigener Lebenszeit und Arbeit verknüpft ist, dominiert hier das Sicherheitsbedürfnis, um den Lebensstandard nicht zu gefährden.

Nadine Kammerlander
“Nicht nur die Höhe, sondern vor allem die Herkunft des Vermögens prägt entscheidend, wie viel Risiko Investoren subjektiv bereit sind zu tragen”: Nadine Kammerlander, Leiterin des Instituts für Familienunternehmen an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar

Einen bemerkenswerten Kontrast bilden Erbschaften und Schenkungen: Diese werden psychologisch oft als „Windfall“ – also als unerwarteter Zufluss – verbucht. Hier greift der sogenannte „House-Money-Effekt“: Mit diesem Geld gehen Investoren tendenziell lockerer um und sind bereit, deutlich höhere Risiken einzugehen, da Verluste weniger als persönliches Scheitern empfunden werden.

Kontrolle durch Wissen: Die Rolle der Eigenrecherche

Neben der Herkunft spielt die Intensität der eigenen Investmentrecherche eine zentrale Rolle für die Risikofreude. Wer sich tiefgreifend mit seinen Anlagen auseinandersetzt, zeigt eine signifikant höhere Bereitschaft, Risiken einzugehen. Diese intensive Beschäftigung fördert ein gesteigertes Kompetenzgefühl und die Wahrnehmung, Risiken besser steuern zu können – ein Effekt, der teilweise auf einer „Illusion of Control“ beruhen kann.

Gleichzeitig steigt durch die Recherche die finanzielle Bildung, wodurch komplexe Anlagen als kalkulierbarer erlebt werden. Für die Beratungspraxis bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Die Frage nach der Herkunft des Geldes ist kein reiner regulatorischer Standard mehr, sondern eine qualitative Kernfrage. Nur wer versteht, aus welchem „Topf“ ein Investment gespeist wird, kann die oft unbewussten emotionalen Verzerrungen seiner Klienten objektivieren und eine wirklich passende Strategie entwickeln.

Die Studie der WHU entstand im Rahmen unserer Forschungskooperation mit der LGT Bank, in deren Mittelpunkt Themen stehen, die Familienunternehmerinnen und Familienunternehmer in ihrer Weiterentwicklung unterstützen und neue Perspektiven eröffnen.

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Bild oben: AI-generated

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