Sean Connerys coup de cœur, Dietmar Hopps Leidenschaft
Weitläufig, zurückgezogen, eine raue Hochebene im Hinterland der Côte d’Azur – dort, wo die Landschaft nicht gefällig ist, sondern ernsthaft wird. Still, fern der Küste. Ein großes Stück Provence, das nicht um Aufmerksamkeit wirbt. Terre Blanche liegt am Rand des Dorfes Tourrettes, historisch im Besitz französischen Uradels, mit einem Château im Zentrum des Anwesens – wie es sich gehört/ Rubrik Stilvoll reisen
Ende der 1970er Jahre entdeckte Sean Connery dieses Gelände. Es wurde sein coup de cœur, wie man in Frankreich später sagte. 1979 kaufte er das Domaine de Terre Blanche mitsamt Château und rund 266 Hektar Land. Connery hatte einen Traum: einen großen Golfplatz, eingebettet in eine Landschaft, die Raum ließ – physisch wie geistig.
Vision ohne Vollendung
Der James Bond-Darsteller war zu diesem Zeitpunkt längst Weltstar, aber nicht mehr auf der Suche nach Öffentlichkeit. Was ihn an diesem Ort faszinierte, war weniger die Provence als touristischer Hotspot, sondern die Landschaft als Möglichkeit. Seine Leidenschaft für Golf begleitete ihn seit den Dreharbeiten zu Goldfinger. Golf war für Connery keine Freizeitbeschäftigung, sondern ein ernsthaftes Spiel. Eines, das Konzentration verlangt. Und Platz. In Terre Blanche sah er genau diesen Raum: eine natürliche Topographie, wie gemacht für einen außergewöhnlichen Platz, ohne künstliche Dramatisierung.
In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren wuchs aus dem persönlichen Rückzugsort ein ambitioniertes Projekt. Internationale Partner kamen hinzu, Masterpläne entstanden. Connery sprach offen von einem Referenzprojekt auf Weltniveau, unterzeichnete Absichtserklärungen, machte seine Vision öffentlich. Doch der Visionär und leidenschaftliche Golfer war kein Entwickler. Die finanzstarken Partner fanden sich nie in der notwendigen Konstellation. Ende der 1990er Jahre zog sich der alternde Filmstar zurück; weitere Versuche anderer Investoren blieben erfolglos.
Der Macher übernimmt
1999 wechselte das Anwesen erneut den Besitzer. Mit Dietmar Hopp trat ein Mann auf den Plan, der große Ideen nicht nur formuliert, sondern umsetzt. Entsprechend erkannte der SAP-Mitgründer in Terre Blanche weniger das Unvollendete, als das Potenzial. Was Connery angestoßen hatte, sollte nun zu Ende gedacht werden.
Als Hopp übernahm, war Terre Blanche ein großes Versprechen – mit Genehmigungen, Plänen und Visionen, aber ohne fertiges Ergebnis. Das Gelände lag brach, das Projekt war steckengeblieben. Hopp plante, baute und engagierte Four Seasons Hotels and Resorts als Betreiber, die Devise lautete: think big. Doch anders als viele Großprojekte blieb es kein isoliertes Luxusversprechen.

Ein Resort als Infrastrukturprojekt
Gewollt oder ungewollt wurde Hopp damit auch zum Wohltäter der kleinen Gemeinde Tourrettes. Für sie ist Terre Blanche nicht nur „ein Resort“, sondern ein Eingriff in die lokale Statik – wirtschaftlich wie infrastrukturell. Die gesamte Erschließung musste vom Projekt selbst getragen werden: Straßen, Zuwegungen, Leitungen, Entwässerung, Brücken, Parkflächen. Unspektakuläre Dinge, ohne die Luxus nicht funktioniert, die aber am Ende auch die Umgebung prägen. Dazu kam der dauerhafte Betrieb als relevanter Arbeitgeber im Hinterland, jenseits der klassischen Riviera-Saisonalität: Hotel, Golf, Villen, Technik, Gartenbau, Spa, Gastronomie. Planbare Wertschöpfung in einer Region, die sonst leicht zur Durchfahrtslandschaft wird.
Ein Stadion für die Gemeinde
Zur lokalen „Wohltäter“-Erzählung gehört ein sehr sichtbares Detail: ein Stadion. Hopp ließ es auf eigene Kosten errichten, die Gemeinde stellte das Gelände zur Verfügung. Der Anlass war pragmatisch und prestigeträchtig zugleich: Die deutsche Nationalmannschaft sollte sich vor der EURO 2012 im Pays de Fayence vorbereiten können. Solche Gesten sind in Südfrankreich selten – und erklären, warum Hopp hier nicht nur als Investor wahrgenommen wird, sondern als jemand, der über das Resort hinaus Spuren hinterlässt.

Zwei Plätze, zwei Charaktere
2004 eröffnete Terre Blanche gleich doppelt: mit dem ersten Championship-Platz und mit einem Hotel, das mit dem Betreiber Four Seasons Hotels & Resorts internationale Maßstäbe setzte. Le Château, der erste 18-Loch-Kurs, ist bis heute die große Bühne des Resorts: weitläufig, mit großzügigen Linien, weißen Bunkern und Blickachsen, die mehr Landschaft als Inszenierung sind. Ein Platz, der Konzentration verlangt, ohne sich aufzudrängen.
Einige Jahre später folgte Le Riou. Technischer, kompakter, weniger spektakulär im ersten Eindruck, dafür präziser im Spiel. Zwei Plätze, zwei Charaktere – gemeinsam das sportliche Fundament von Terre Blanche.
Championship-Golf als Anspruch
Dass Terre Blanche mehr ist als ein schöner Golfplatz, zeigt sich auch im Turnierkalender. Beide Plätze sind regelmäßig Austragungsort nationaler und internationaler Championships, darunter Events der European Tour sowie hochklassige Amateur- und Nachwuchsturniere. Der Platz Le Château gilt dabei als wettkampferprobt und anspruchsvoll genug, um Turnierdruck standzuhalten, ohne seinen landschaftlichen Charakter zu verlieren. Championship-Golf ist hier kein Marketingbegriff, sondern Teil der DNA: präzise Grüns, strategische Linienführung, konsequente Pflege – gebaut für Spieler, die nicht nur Landschaft suchen, sondern sportliche Substanz.

Leben im Domaine Privé
2010 endete die Zusammenarbeit mit Four Seasons. Das Hotel wird unter eigenem Namen als solides Fünf-Sterne-Golfhotel weitergeführt und ist heute Mitglied bei The Leading Hotels of the World. Inzwischen hat Hopps Sohn die Verantwortung übernommen. Der Fokus liegt weiterhin auf sportlicher Substanz: Das Albatros Golf Performance Center wurde umfassend modernisiert und gemeinsam mit der Academy als High-Performance-Trainingszentrum neu positioniert. Parallel wird erneut in beide Championship-Plätze investiert.

Ein weiteres Zugpferd ist die Domaine Privé: private Villen innerhalb des rund 266 Hektar großen Areals. Maximal 124 Residenzen sind vorgesehen, viele davon bereits bewohnt. Keine Ferienhaussiedlung, sondern zurückhaltende Domizile für Eigentümer, die Terre Blanche als Lebensmittelpunkt auf Zeit verstehen. Golf, Spa, Gastronomie – alles ist vorhanden, nichts drängt sich auf.

Abstand als Luxus
Das Hotel setzt konsequent auf Suiten statt Zimmer, auf Abstand statt Dichte. Die Gebäude, wie kleine provenzalische Bauernhäuser angelegt, sind nach zwanzig Jahren vollständig in die Eichenwälder eingewachsen. Architektur und Landschaft stehen nicht in Konkurrenz, sondern in stiller Übereinkunft.
Bemerkenswert ist, wie wenig Terre Blanche je versucht hat, sich als glamouröse Riviera-Adresse zu inszenieren. Die Nähe zur Côte d’Azur ist geografisch gegeben, mental jedoch weit entfernt. Stattdessen ist der Ort Arbeitgeber, Auftraggeber, Stabilitätsanker – und keine Kulisse. Golfer kommen wegen der Plätze. Andere einfach wegen der Ruhe. Kein Resort für schnelle Eindrücke und Influencer, sondern für Wiederkehrer. Vielleicht ist genau das das Vermächtnis dieser ungewöhnlichen Geschichte.
Unsere Tipps: Ausflüge, Restaurants und Kultur rund um Terre Blanche
Dörfer mit Charakter
So abgeschieden Terre Blanche wirkt, so reich ist die Umgebung. Fayence eignet sich für einen ersten Spaziergang; donnerstags belebt ein regional geprägter Markt den Ort. Seillans, eines der schönsten Dörfer Frankreichs, verbindet mittelalterliche Architektur mit zeitgenössischer Kunst.

Provenzalische Küche ohne Chichi
Kulinarisch lohnen Callian und Montauroux: klassische provenzalische Küche, saisonal, klar, überraschend fein. In Grasse, der Welthauptstadt des Parfums, ergänzen kleinere Manufakturen die großen Häuser; ein Besuch im Musée International de la Parfumerie vertieft das Verständnis für diese Kultur.

Blaues Meer, aber richtig
Ans Wasser fährt man besser nach Théoule-sur-Mer oder in die Buchten rund um Agay und Saint-Raphaël. In der geschützten Bucht von Agay trifft roter Esterel-Fels auf einen breiten Sandstrand. Saint-Raphaël selbst wirkt bodenständig, fast provinziell, mit echter Hafenstadt-Atmosphäre statt Riviera-Inszenierung. Kulinarisch lohnt hier ein Tisch im Le Jardin de Sébastien: präzise, saisonal und konzentriert auf Produkte aus Meer und Hinterland. Einen guten Überblick über die Restaurants der Region gibt es hier.
Wer sich Zeit nimmt, entdeckt in der Esterel eine Provence fern der Postkarten – geprägt von Alltag, Qualität und Maß.
















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