Toxische Glaubenssätze des Vermögensaufbaus, Nr. 3: „Kapitalismus bedeutet Ausbeutung“
Schädliche Glaubenssätze und „giftige Stereotype“ über die Marktwirtschaft, über Geld, Börse und vermögend werden sorgen mit dafür, dass Deutsche beim Nettovermögen gegenüber manchen anderen Ländern hinterherhinken. Heute: „Kapitalismus bedeutet Ausbeutung“.
Von Dr. Gerd Kommer und Selina Gschossmann
Deutschland und Österreich haben ein Altersarmutsproblem, das sich aufgrund der bekannten Misere der gesetzlichen Rentenversicherungssysteme in Zukunft noch verschlimmern wird. Wer als normaler Bürger, vor allem als Mensch in der ersten Lebenshälfte in der Vermögensaufbauphase, diesem Problem individuell entgehen möchte, für den ist der Vermögensaufbau über den globalen Aktienmarkt die beste Option. Dennoch besitzen heute nur rund 15 Prozent aller deutschen Haushalte Aktien oder Aktienfonds gegenüber etwa 66 Prozent der amerikanischen. Das ist einer der Gründe, warum das Nettovermögen des Median-Amerikaners weit über dem des Median-Deutschen liegt. Eine Hauptursache für das Desinteresse der Deutschen am Aktienmarkt dürfte ihre generelle Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft, dem „Kapitalismus“ sein. Vor diesem Hintergrund analysieren wir in dieser neuen Reihe elf schädliche Glaubenssätze und „giftige Stereotype“, die finanziellen Erfolg sabotieren.
Toxischer Glaubenssatz über Geld Nr. 3:
„Kapitalismus bedeutet Ausbeutung“
Da „Ausbeutung“ ein Begriff ist, über dessen genaue Definition und Interpretation schwer Einigkeit erzielbar ist, ersetzen wir „Ausbeutung“ hier durch die leichter nachprüfbaren, verwandten Begriffe „extreme Armut“, „Sklaverei“, „Kinderarbeit“. Tut man das, zeigen die Daten, dass die Marktwirtschaft vermutlich mehr als alles andere auf der Welt dazu beigetragen hat, dass Armut, Sklaverei und Kinderarbeit, Formen von Ausbeutung – in den letzten rund 200 Jahren dramatisch und weitgehend kontinuierlich abgenommen haben.
Extreme Armut
Der Anteil der Weltbevölkerung, der gemäß Armutsdefinition der UNO in extremer Armut lebt, ist von 91% im Jahr 1820 auf 10% im Jahr 2024 zurückgegangen. Das ist ein doppelter Sieg, weil trotz stark wachsender Weltbevölkerung nicht nur der prozentuale Anteil der extrem Armen, sondern auch ihre absolute Zahl seit 1970 sinkt.
Im Jahr 2023 erzielten die einkommensärmsten 10% der Bevölkerung in den 40 „wirtschaftlich freiesten“ von 165 Staaten (Länder, in denen die marktwirtschaftlichen Freiheiten am wenigsten eingeschränkt sind) ein durchschnittliches jährliches Pro-Kopf-Einkommen von 9.770 US-Dollar. Die ärmsten 10% der Bevölkerung in den 40 wirtschaftlich unfreisten Länder verdienten im Mittel nur 1.260 Dollar.
Sklaverei
Im Jahr 1800 existierten weltweit – je nach Quelle und Definition – 50 bis 60 Staaten. In allen diesen Staaten waren damals Sklaverei oder sklavereiähnliche Arrangements (z. B. Leibeigenschaft) erlaubt. Heute gibt es rund 200 Staaten und in allen ist Sklaverei gesetzlich verboten. Das gemeinnützige australische Anti-Sklaverei-NGO Walk Free schätzt, dass heute – trotz offizieller Verbote – rund 50 Millionen Menschen weltweit in illegalen, sklavereiähnlichen Verhältnissen leben. Das entspricht etwa 0,6% der Weltbevölkerung. Über 95% dieser 50 Millionen Menschen leben in Asien und Afrika, also in Staaten, in denen die Marktwirtschaft später eingeführt wurde und heute weniger etabliert ist als im Westen. (Der so genannte Crony-Kapitalismus in vielen Ländern Afrikas ist ein von der jeweiligen korrupten Politikerelite gekaperter, pervertierter Schein-Kapitalismus ohne Rechtstaatlichkeit und mit stark eingeschränkter Gewerbefreiheit.)
Kinderarbeit
Wenngleich die Datenlage in Bezug auf die Entwicklung der globalen Verbreitung von Kinderarbeit lückenhaft ist, zeigen die verfügbaren Zahlen doch ausreichend klar, dass Kinderarbeit global während der vergangenen 170 Jahre und auch in der jüngeren Vergangenheit immer weiter gesunken ist. 1851 lag die Kinderarbeitsquote (KAQ) in Großbritannien für Jungen bei 28,3% (globale Daten existieren erst seit dem Jahr 2000). Bereits 1911 war sie auf 14,4% gefallen. Im Jahr 2000 betrug die KAQ global noch 23%, im Jahr 2012 nur noch knapp 17% (neuere Vergleichszahlen derzeit nicht verfügbar). In den „reichen“ „kapitalistischen“ Ländern des Westens ist die KAQ auf nahezu null gesunken.
Das Los von Kindern hat sich auch in anderen Dimensionen während der zurückliegenden 200 Jahre verbessert: Der Anteil der Kinder, die in den ersten fünf Lebensjahren sterben, sank global von 42% im Jahr 1800 auf 4% im Jahr 2020. Der Anteil der Kinder, der eine Basisausbildung hat (gemäß Definition der UNO), stieg von 17% im Jahr 1820 auf 87% im Jahr 2020. Mädchen haben bei dieser Kennzahl gegenüber Jungen in den letzten 40 Jahren deutlich aufgeholt und der noch vorhandene Abstand geht zum großen Teil auf islamisch geprägte, eher antimarktwirtschaftliche Länder zurück.
Die bisherigen Folgen auf DDW:
- Folge 1: „Geld ist die Wurzel allen Übels.“
- Folge 2: „Geld verdirbt den Charakter“
- Folge 3: „Kapitalismus bedeutet Ausbeutung“
Dr. Gerd Kommer ist Gründer und Geschäftsführer der Gerd Kommer Invest GmbH und Autor des Finanzklassikers “Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“. Im Jahr 2000 hat er passives Investieren und das Weltportfolio-Konzept in Deutschland eingeführt. Er steht wie kein Zweiter für rationale und wissenschaftliche Geldanlage mit kostengünstigen Indexfonds und ETFs. Gerd Kommer Invest GmbH






















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