Toxische Glaubenssätze, Teil 5: „Immer mehr gewalttätige Auseinandersetzungen um knappe Ressourcen“

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Schädliche Glaubenssätze und „giftige Stereotype“ über die Marktwirtschaft, über Geld, Börse und vermögend werden sorgen mit dafür, dass Deutsche beim Nettovermögen gegenüber manchen anderen Ländern hinterherhinken. Heute: „Die Ressourcen der Erde sind begrenzt. Daher muss es immer mehr gewalttätige Auseinandersetzungen um knappe Ressourcen geben.“

Von Dr. Gerd Kommer und Selina Gschossmann

Deutschland und Österreich haben ein Altersarmutsproblem, das sich aufgrund der bekannten Misere der gesetzlichen Rentenversicherungssysteme in Zukunft noch verschlimmern wird. Wer als normaler Bürger, vor allem als Mensch in der ersten Lebenshälfte in der Vermögensaufbauphase, diesem Problem individuell entgehen möchte, für den ist der Vermögensaufbau über den globalen Aktienmarkt die beste Option. Dennoch besitzen heute nur rund 15 Prozent aller deutschen Haushalte Aktien oder Aktienfonds gegenüber etwa 66 Prozent der amerikanischen. Das ist einer der Gründe, warum das Nettovermögen des Median-Amerikaners weit über dem des Median-Deutschen liegt. Eine Hauptursache für das Desinteresse der Deutschen am Aktienmarkt dürfte ihre generelle Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft, dem „Kapitalismus“ sein. Vor diesem Hintergrund analysieren wir in dieser neuen Reihe elf schädliche Glaubenssätze und „giftige Stereotype“, die finanziellen Erfolg sabotieren.

Toxischer Glaubenssatz über Geld Nr. 5:
„Die Ressourcen der Erde sind begrenzt. Daher muss es immer mehr gewalttätige Auseinandersetzungen um knappe Ressourcen geben“

Die Behauptung, dass Rohstoffe zwangsläufig immer knapper werden oder grundsätzlich endlich seien, ist eine nicht ausrottbare Falschbehauptung, die Untergangspropheten schon seit gut 200 Jahren verbreiten – erstmalig im Jahr 1798 in einem berühmten Aufsatz des britischen Ökonomen Thomas Malthus (1766–1834), dem geistigen Ahnherrn aller Berufspessimisten.

Anfang der 1970er-Jahre publizierte ein Autorengruppe, die sich „Club of Rome“ nannte, in einer damals Aufsehen erregenden Studie mit dem Titel „The Limits of Growth“, im Kern eine „Malthus-These 2.0“. Hauptaussage in „The Limits of Growth“ war: „Die Rohstoffe der Welt sind endlich und werden wegen des steigenden Rohstoffverbrauchs aufgrund der ‚Bevölkerungsexplosion‘ in den nächsten 20 Jahren zu Ende gehen. Die Folge sind vermutlich Kriege um Rohstoffe und Hungersnöte“. Eine Falschprognose, die „natürlich“ auf einem „neuen komplexen Computer-Modell“ basierte.

Energie-Rohstoffe sind schon deswegen nicht endlich, weil die Sonne jeden Tag gigantische Mengen von Energie kostenlos auf die Erde abstrahlt. Öl kann aus Kohle erzeugt werden, die noch mindestens 300 Jahre reicht. Relevante mengenmäßige Grenzen für Strom aus Atomenergie existieren nicht. Agrar-Rohstoffe sind ebenso wenig endlich.

In Bezug auf die allermeisten übrigen Rohstoffe gilt, dass wir wahrscheinlich den größten Teil der auf diesem Planeten vorhandenen Mengen noch nicht gesucht und nicht abgebaut haben, weil das bisher nicht nötig oder technisch-ökonomisch noch nicht möglich war, z. B. Bergbau in großen Meerestiefen. In den nächsten Jahrzehnten wird vermutlich auch der Bergbau auf Asteroiden möglich werden.

Die allermeisten „endlichen“ Rohstoffe können und werden überdies bei entsprechend hohen Preisen durch Alternativen substituiert. Diese Substituierbarkeit wird durch den technischen Fortschritt mit der Zeit immer einfacher und häufiger umsetzbar.

Was das globale Bevölkerungswachstum anbelangt, wissen wir heute mit hoher Sicherheit, dass die Weltbevölkerung in den nächsten 30 bis 70 Jahren zu schrumpfen beginnen wird. Von der „Bevölkerungsexplosion“ als Bedrohung, wie sie in den 1970er- und 1980er-Jahren diskutiert wurde, spricht heute niemand mehr. Das seit Jahrzehnten weltweit sinkende Bevölkerungswachstum und die bald insgesamt abnehmende Weltbevölkerung werden zusammen mit dem technischen Fortschritt dafür sorgen, dass der Ressourcenverbrauch der Menschheit in Zukunft stark zurückgehen wird.

Faktisch (im Unterschied zur rein theoretischen Betrachtung) existiert keine Rohstoffknappheit oder -endlichkeit, weil die Marktwirtschaft die Kräfte und Mechanismen in Gang setzt, die Endlichkeit „aushebeln“ oder kompensieren.

Die bisherigen Folgen auf DDW:

Dr. Gerd Kommer ist Gründer und Geschäftsführer der Gerd Kommer Invest GmbH und Autor des Finanzklassikers “Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“. Im Jahr 2000 hat er passives Investieren und das Weltportfolio-Konzept in Deutschland eingeführt. Er steht wie kein Zweiter für rationale und wissenschaftliche Geldanlage mit kostengünstigen Indexfonds und ETFs. Gerd Kommer Invest GmbH

Foto auf Pexels von Anete Lusina

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