Was Oxfam verschweigt: Vermögen der Milliardäre wächst und Armut sinkt

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Oxfam sagt in einem anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlichten Bericht, dass die Reichen immer reicher werden. Das stimmt. Aber was verschwiegen wird: Im gleichen Zeitraum ist die weltweite Armut stark gesunken.

Von Dr. Dr. Rainer Zitelmann

Es gibt immer mehr Milliardäre auf der Welt, und ihr Vermögen wächst und wächst. Das geht aus einem Bericht hervor, den Oxfam, wie jedes Jahr, zum Start des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos veröffentlicht. Demnach besaßen die rund 3.000 Milliardäre weltweit im vergangenen Jahr ein Vermögen von 18,3 Billionen US-Dollar. Seit 2020 wurden sie laut Oxfam inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent reicher. Gleichzeitig lebt fast die Hälfte der Menschheit in Armut, betont Oxfam. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, dass laut Oxfam die „massiv steigende Ungleichheit…zu mehr Armut führt“.

DDW-Autor Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Historiker – und war auch als Unternehmer und Investor. Der Bestseller-Autor bringt jetzt seine neues – 40. Buch – heraus: Weltraumkapitalismus

Armut steigt nicht, sondern geht massiv zurück

Stimmt das? Oxfam versucht, einen Zusammenhang zwischen dem gestiegenen Vermögen der Reichen und der Armut herzustellen. Tatsächlich gibt es diesen Zusammenhang, aber ganz anders als Oxfam suggeriert. Oxfam sagt, dass die Hälfte der Menschen in Armut lebt und stützt sich dabei auf die Weltbank-Zahlen. Die Weltbank verwendet verschiedene Armutsdefinitionen. Nach einer Definition, die den Armutsbegriff weiter fasst, leben im Jahr 2025 in der Tat 45,5 Prozent der Weltbevölkerung in Armut.

Aber gibt es einen Zusammenhang damit, dass – so Oxfam – das Vermögen der Milliardäre seit 2020 so stark gestiegen ist? Laut den gleichen Weltbankzahlen ist die Zahl der Armen von 2020 bis 2025 nicht gestiegen, sondern erheblich zurückgegangen, und zwar um fünf Prozentpunkte von 50,5 Prozent im Jahr 2020 auf 45,5 Prozent im Jahr 2025. Demnach sind in den vergangenen fünf Jahren wiederum mehrere Hundert Millionen Menschen weltweit der Armut entkommen! Die Ursache für beide Entwicklungen ist die gleiche: Wirtschaftswachstum.

Auch die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, ist laut Weltbank in diesem Zeitraum zurückgegangen, und zwar von 11,4 auf 10,1 Prozent. Übrigens wäre der Rückgang noch viel stärker, wenn die Weltbank nicht die Berechnungsart geändert hätte. Mitte 2025 wurde die internationale Armutsgrenze durch die Weltbank um etwa 40 Prozent angehoben, was zu diesem Anstieg der Quote der extrem Armen auf knapp über zehn Prozent führte. Für das Jahr 2025 schätzt die Weltbank nach neuer Methode rund 831 Millionen Menschen in extremer Armut. Die Zahl ist 50 Prozent höher als sie es wäre, wenn die Weltbank nicht die Berechnungsmethode geändert, sondern die Armutsgrenze nur gemäß dem Anstieg der Inflationsrate angehoben hätte. Nach der alten Berechnungsmethode läge sie bei 540 Millionen, also bei 6,5 Prozent.

Steigender Reichtum bei rückläufiger Armut

Bevor der Kapitalismus entstand, lebten die meisten Menschen auf der Welt in extremer Armut – 1820 betrug die Quote noch 90 Prozent. Der Kapitalismus hat es geschafft, diese Zahl bis zum Jahr 1990 auf 37,9 Prozent zu reduzieren. Der Rückgang der Armut beschleunigte sich infolge der marktwirtschaftlichen Reformen in Ländern wie China, Indien und Vietnam und des Zusammenbruchs des Sozialismus in der Sowjetunion und Osteuropa nach 1990 weiter. Die Quote der extrem Armen betrug im Jahr 2000 nur noch 29,3 Prozent, 2010 waren es noch 15,7 Prozent und 2024 war die Quote auf 8,5 Prozent gesunken, bevor sie zuletzt wegen der Änderung der Berechungsmethode stieg. Ohne diese geänderte Berechnungsmethode wäre die Zahl der extrem Armen auf 6,5 Prozent gesunken, also so niedrig wie noch nie.

Ist das Vermögen der Superreichen stark gestiegen? Ja. Im gleichen Zeitraum, in dem die Zahl der extrem Armen von 29,3 Prozent (2000) auf knapp über zehn Prozent (bzw. ohne Änderung der Berechnungsart auf 6,5 Prozent) gesunken ist, stieg das Vermögen der Milliardäre (inflationsbereinigt) um 840 Prozent. Nach dem Nullsummenglauben, wonach die Reichen auf Kosten der Armen reicher werden, hätte dies nicht geschehen dürfen, denn woher soll der vermehrte Reichtum der Superreichen kommen, wenn die Zahl der extrem Armen doch im gleichen Zeitraum so stark gesunken ist?

Nullsummengläubige, die glauben, dass die Reichen auf Kosten der Armen reicher geworden seien, können nicht erklären, wie zugleich die Zahl und das Vermögen der Reichen massiv steigt und die Zahl der Armen massiv sinkt. Der Grund für beide Entwicklungen ist der gleiche: Wirtschaftswachstum. Während Nullsummengläubige die Wirtschaft als einen Kuchen mit einer festen Größe sehen, der dann gerecht „verteilt“ werden muss, führt Wirtschaftswachstum dazu, dass die Zahl der Armen sinkt und die der Reichen steigt.

Es ist ein Ärgernis, dass die meisten Journalisten jährlich über die Oxfam-Zahlen berichten, obwohl immer wieder nachgewiesen wurde, dass sie jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren, wie ich bereits in meinem Buch „Die Gesellschaft und ihre Reichen“ nachgewiesen habe.

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Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Historiker – und war auch als Unternehmer und Investor erfolgreich. Er hat 30 Bücher geschrieben und herausgegeben, die in über 35 Sprachen übersetzt wurden (“Weltreise eines Kapitalisten“, “Warum Entwicklungshilfe nichts bringt und wie Länder Armut wirklich besiegen“, “Die 10 Irrtümer der Antikapitalisten“) und jüngst auch des Anti-Woke Romans „2075. Wenn Schönheit zum Verbrechen wird“. Sein neuestes Buch ist Weltraumkapitalismus“.

Bild oben: Ai-generated

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