Ein „Aufbruch 2030“ für die streitenden Koalitionäre
Es gibt immer noch keinen Durchbruch für den Reform-Ruck in der Koalition. Vielleicht ist es an der Zeit, mit anderen Begriffen und offener Schwerpunktsetzung an künftige Gespräche in Berlin heranzugehen.
Von Professor Dr. h.c. mult Roland Koch
Mein heutiger Kommentar ist ausschließlich die Zusammenfassung der Thesen von zwei engen Mitstreitern der Ludwig-Erhard-Stiftung, die inmitten der aktuellen Reformblockaden zu Aufbruch aufrufen. Die Ideen von Markus Brunnermeier und Stefan Kolev, von denen ich hier schreibe, sind der Versuch von zwei Marktwirtschaftlern, neue Wege zu finden, die von einer Koalition der politischen Mitte betreten werden könnten. Denn Scheitern ist keine Option.
Markus Brunnermeier ist Makroökonom an der Princeton University und zählt international zu den profiliertesten deutschen
Deutschland „um‑industrialisieren“
Der Vorteil Deutschlands liegt nicht in einzelnen Produkten, sondern in institutionellen Fähigkeiten wie Ingenieurskultur, Sozialpartnerschaft, angewandter Forschung und langfristigem Denken. „Um‑
Denken in Schnittstellen und neue Verzahnung der Strukturen ermutigen
Struktureller Wandel entscheidet sich an Übergängen zwischen Industrie und Dienstleistungen, Start‑ups
Den Übergang der Arbeitnehmer statt bestehender Arbeitsplätze schützen
Arbeitsmarktpolitik soll weniger den bestehenden Arbeitsplatz absichern, sondern den sicheren Wechsel zwischen Tätigkeiten ermöglichen. Sozialleistungen
Den Sozialstaat auf Fähigkeitsaufbau statt Statuserhalt konzentrieren
Der Sozialstaat soll Sicherheit bieten, ohne Anpassung zu blockieren Investitionen in Gesundheit, Qualifikation und Mobilität werden gegenüber Transfers aufgewertet. Der Generationenvertrag muss neu austariert werden, um die Belastung der Jüngeren zu begrenzen und längere Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Altersvorsorge soll stärker an den Kapitalmarkt angebunden werden, um nicht‑lineare Lebensläufe besser abzubilden. Kranken‑ und Pflegeversicherung sollen adaptiver, kostenbewusster und stärker auf Qualität ausgerichtet werden. Der Sozialstaat soll experimentierfreudiger und zugleich verständlicher werden.
Das Steuerrecht auf Übergänge statt Verbleib im Silo anpassen
Hohe Steuersätze und Komplexität verringern die
Die Energiepolitik auf Optionen statt einzelner Pfade ausrichten
Die deutsche Energiepolitik hat durch frühe Festlegungen auf wenige Szenarien Resilienz verloren. Gefordert wird ein technologieoffener Ansatz mit breitem Optionsraum. CO₂‑Bepreisung soll rigoros und europäisch erfolgen, die Einnahmen aber an die Bürger zurückgegeben werden. Ziel ist nicht kurzfristige Subventionierung der Preise, sondern die dauerhafte Senkung der Systemkosten.
Die EU neu starten
Europa braucht mehr Einheit dort, wo Größe zählt, und mehr Vielfalt dort, wo Anpassung entscheidend ist. Öffentliche Güter wie Binnenmarkt, Handel, Wettbewerb, Sicherheit und Forschung müssen gestärkt werden, während dezentrale Vielfalt in Sozial‑, Arbeits‑ und Bildungspolitik Resilienz erzeugt. Die Autoren plädieren für eine „reintegrative EU“ mit flexiblen Partnerschaften nach außen und variabler Integrationsgeometrie nach innen.
Europas Stellung im globalen Handels‑ und Finanzsystem neu vermessen
Europa muss kritische Abhängigkeiten systematisch analysieren, diversifizieren und substituierbar machen. Handelsbeziehungen sollen mit abgestuften Partnerschaften und wirksamer Verteidigung gegen Dumping ausgestaltet werden. In der Finanzarchitektur geht es um sichere europäische Anlagen (nicht Eurobonds), reduzierte Abhängigkeit von Dollar‑Liquidität, eine Kapitalmarktunion und digitale Souveränität im Zahlungsverkehr.
Die Überregulierung an der Wurzel packen
Bürokratieabbau kann Verwaltungseffizienz
Die Verteidigung bereichs‑ und länderübergreifend integrieren
Resiliente Verteidigung bedeutet, Fähigkeiten statt konkreter Systeme zu beschaffen und auf Fertigungsagilität statt Lagerhaltung zu setzen. Zivile und militärische Technologieökosysteme sollen enger in Europa verzahnt werden. Hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und Desinformation verlangen
Es könnte wichtig werden, mit anderen Begriffen und offener Schwerpunktsetzung an die kommenden Gespräche in Berlin heranzugehen. Die Alternative des Scheiterns steht ganz offensichtlich immer im Raum. Es lohnt sich, neue Ansätze wie die Resilienz offen zu verfolgen.
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