Autoexporte nach China brechen um ein Drittel ein, auch Maschinenbau unter Druck
Die deutschen Autoexporte nach China brechen massiv ein, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Auch andere Schlüsselindustrien verlieren gegenüber China deutlich an Boden deutlich an Boden.
Die Bilanz des deutschen Warenhandels mit China im Jahr 2025 ist trübe: Der China-Schock ist mit voller Wucht in der Industrie angekommen. So sind die deutschen Ausfuhren nach China um fast 10 Prozent eingebrochen, die Einfuhren wuchsen dagegen mit fast 9 Prozent stark. Da Ex- und Importe normalerweise mit moderat positiven Wachstumsraten steigen, sei die Divergenz zwischen der starken Exportschrumpfung und dem hohen Importwachstum sehr ungewöhnlich, so das IW.
Sie belastet die deutsche Industrie doppelt: Exportseitig geht an China hängende Wertschöpfung verloren. Und importseitig steigt der Konkurrenzdruck durch chinesische Produkte, was nicht nur die Exportfirmen trifft, sondern die Industrie in der Breite. Diese Divergenz zeigt sich auch im Rekord-Handelsbilanzdefizit von rund 90 Milliarden Euro.
Offensichtlich sind chinesische Waren relativ zu deutschen viel zu billig. Das liegt auch an massiven Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionen und eine unterbewertete Währung, wie selbst der Internationale Währungsfonds (IWF, 2026) kritisiert.
Vor allem Autoindustrie betroffen
Die problematische Divergenz zwischen Exporteinbruch und Importzuwachs zieht sich durch alle im China-Export wichtigen Branchen. Die Autoindustrie sticht dabei besonders hervor: Die Einfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen aus China stiegen genauso stark wie der Durchschnitt des Warenhandels insgesamt. Doch die Ausfuhren dieser Produkte brachen im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um sage und schreibe ein Drittel ein – eine wahre Implosion innerhalb nur eines Jahres.
Verglichen mit dem Jahr 2022, als die Ausfuhren von Autos und Autoteilen auf ihrem historischen Höchststand noch fast 30 Milliarden Euro aus machten, kam es zu einem Rückgang von über 54 Prozent auf nur noch 13,6 Milliarden Euro. Der Anteil der Automotive-Exporte an den gesamten deutschen Ausfuhren nach China nahm damit von 28,0 Prozent im Jahr 2022 auf nur noch 16,8 Prozent im Jahr 2025 ab. 2024 belief sich der Anteil immerhin noch auf knapp 23 Prozent. Deshalb trägt der massive Exporteinbruch in der Autoindustrie im Vorjahresvergleich auch allein 7,5 Prozentpunkte zum gesamten Rückgang von 9,7 Prozent bei. Mehr als drei Viertel des China-Exportrückgangs kommt also nur aus dieser Branche.

Maschinenbau ebenfalls unter Druck
Auch bei Maschinen zeigt sich die divergente Entwicklung von Exporten und Importen. Dabei ist der Maschinenbau im Jahr 2025 inzwischen die wichtigste Branche bei der China-Ausfuhr mit einem Anteil von 20,5 Prozent – und hat damit erstmals die Autoindustrie von Rang 1 verdrängt. Bei Maschinen weist Deutschland gegenüber China aktuell noch einen Exportüberschuss von rund 2,8 Milliarden Euro auf. Der positive Saldo ist in den letzten Jahren jedoch stark geschrumpft. Im Jahr 2018 lag er noch beim Rekordniveau von 10,5 Milliarden Euro. Seitdem stiegen die Einfuhren aus China im Trend deutlich an – und die Ausfuhren schrumpften stark. Gegenüber dem Jahr 2022, dem Höchststand beim Maschinen-Export, beträgt der Rückgang erhebliche 17,5 Prozent bis 2025. Im Vergleich der Jahre 2025 und 2024 trägt der Maschinenbau damit rund 2 Prozentpunkte zum gesamten Rückgang der Warenexporte nach China von 9,7 Prozent bei.
Branchenschau durchweg düster
Doch auch in den anderen wichtigen China-Export Branchen ist das Bild düster. Durchweg zeigt sich im Jahr 2025 eine Divergenz zwischen Ausfuhrrückgängen
und Importanstiegen gegenüber dem Vorjahr, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Der China-Schock trifft all diese Industriezweige: Überdurchschnittliche Exportrückgänge von mehr als 9,7 Prozent weisen neben Automotive-Produkten und Maschinen auch Metallerzeugnisse, Gummi- und Kunststoffwaren sowie Pharma-Erzeugnisse auf. In fast allen dargestellten Branchen übersteigen die Importzuwächse den hohen Durchschnittszuwachs (mit Ausnahme der Chemie und der Produktgruppe Datenverarbeitungsgeräte u. a.).
Auch die metallverarbeitende Industrie steht unter Druck: Ihre Ausfuhren nach China gingen 2025 um fast 13 Prozent zurück; seit dem Höchststand im Jahr 2022 summiert sich das Minus auf rund 25 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Einfuhren von Metallerzeugnissen aus China nach Deutschland deutlich – sie legten im vergangenen Jahr um knapp 13 Prozent zu.
Allerdings stiegen die Einfuhrmengen meist noch mehr als die Einfuhrwerte. Das gilt vor allem bei chemischen Erzeugnissen, bei denen die Importmenge (in Tonnen) um über 17 Prozent gewachsen ist. Dahinter steht ein Rückgang des durchschnittlichen Einheitspreises dieser Produkte von fast 12 Prozent.
Kurswechsel gegenüber China
Dass sich das divergente Bild bei Ex- und Importen so durch alle Branchen zieht, ist für die Forscher des IW ein klares Indiz für die bereits angesprochenen Wettbewerbsverzerrungen und eine Yuan-Unterbewertung gegenüber dem Euro.: „Die starken Exportrückgänge bei gleichzeitig steigenden Importen sind kein normaler Konjunktureffekt, sondern auch das Ergebnis massiver Wettbewerbsverzerrungen“, sagt IW-Handelsexperte Jürgen Matthes.
Wenn sich an den unfairen Praktiken nichts ändere, sei Europa gezwungen, Ausgleichszölle einzuführen, so die Einschätzung des IW. „China ist wegen seiner schwächelnden Wirtschaft auf den europäischen Markt angewiesen und erzielt hier hohe Gewinne. Das ist ein Hebel – auch bei den Verhandlungen über eine verlässliche Versorgung mit kritischen Rohstoffen und seltenen Erden“, so Matthes.
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